Helikopter Eltern

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anika
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Helikopter Eltern

Beitrag von anika » Donnerstag 9. April 2015, 20:17

Hallo mein Name ist Anika,
ich arbeite nun seit acht Monaten als Erzieherin. So gesehen bin ich also noch Anfäger.
Ich arbeite in der Krippe und werde demnächst ein schwieriges Elterngespräch führen.
Das Kind fehlt sehr oft (mind. die Hälfte der Zeit) und es wird auch oft noch vor dem MIttagschlaf abgeholt.
Mein Problem ist nun, dass dieses Kind einfach nicht in der Kita
ankommen kann, da es immer wieder fehlt. Oft habe ich das Gefühl, es ist nicht wirklich krank. Die Mutter
scheint uns als Erziehern nicht zu vertrauen sie möchte ihr Kind am liebsten nur um sich haben. Sie war wohl
auch mit ihrem älteren Kind so übervorsichtig und hat es sogar Kitauntauglich schreiben lassen.

Wie bringt man solche Eltern dazu ihre Kinder selbstständig werden zu lassen und ihnen Freiraum zu lassen?

Mit freundlichen Grüßen

Anika

Adrasteia
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Re: Helikopter Eltern

Beitrag von Adrasteia » Donnerstag 9. April 2015, 20:59

Sorry, aber ich finde das ist die falsche Frage.
Wäre es nicht richtiger zu fragen, wie man die Mutter dazu bringt, euch zu vertrauen? Damit sie ihr Kind loslassen kann.

Klar ist es kontraproduktiv, wenn das Kind so oft fehlt. Aber warum soll es bei euch den Mittagsschlaf machen, wenn es noch gar nicht richtig angekommen ist? Zum Schlafen braucht man das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Das hat das Kind bei euch doch noch gar nicht.

Ich empfehle dir, in dieses Gespräch mit einer anderen Haltung und einer anderen Zielsetzung zu gehen.
Du musst unbedingt das Vertrauen der Mutter gewinnen. Immerhin soll sie dir das Wichtigste und Liebste anvertrauen, was sie hat. Weißt Du denn, warum sie so besorgt um ihre Kinder ist?
Vielleicht hat sie lange um die Schwangerschaften kämpfen und bangen müssen? Vielleicht hat sie schon ein Kind verloren. Vielleicht waren es Frühgeburten.
Vielleicht...
Wer weiß das schon?

Also zunächst Vertrauensbildung.

Dann würde ich versuchen, eine regelmäßigere Anwesenheit des Kindes zu erreichen.
Und wenn es täglich nur von neun bis zwölf kommt und meinethalben nur jeden zweiten Freitag.
Die Regelmäßigkeit gibt dem Kind die Möglichkeit, sich besser bei euch einzufinden, Beziehungen aufzubauen, Vertrauen zu fassen, Sicherheit zu gewinnen.
Je jünger das Kind, desto wichtiger die Beziehungsarbeit - und die fängt für dich bei den Eltern an. Ohne eine gute Beziehung zu den Eltern kannst Du dich beim Kind noch so anstrengen, es wird immer schwierig bleiben.

Eine Mutter, die besorgt um ihr Kleinkind ist, schon als Helikoptermutter zu bezeichnen, finde ich übrigens völlig unangemessen und übertrieben.
Und was mit dem größeren Kind war, weißt Du doch gar nicht. Vielleicht kam es im Kindergarten nicht zurecht, vielleicht kam seine Erzieherin nicht mit ihm zurecht. Letzteres kann einen erheblichen Leidensdruck beim Kind erzeugen und kommt leider viel zu oft vor.

Nimm Dir Zeit und nimm die Mutter ernst. Hör ihr zu und frage sie, wie Du es ihr und ihrem Kind erleichtern kannst.
Be- und verurteile sie nicht.
Und denke nicht, dass deine Ansichten und die deiner Kolleginnen zwingenderweise auch für dieses Kind und seine Mutter die richtigen sein müssen.

anika
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Re: Helikopter Eltern

Beitrag von anika » Donnerstag 9. April 2015, 21:19

Danke für die Antwort!
Ich muss sagen den Vorschlag mit dem Mittagsschlaf finde ich gut.
Mit der Mutter über ihr Vertrauen uns gegenüber zu reden hatte ich auf jedenfall vor,
da ich immer das Gefühl hatte das es ihr schwer fällt. Das ganze fällt mir nur so schwer
weil ich das Kind nicht eingewöhnt habe und ich es erst später als Bezugskind bekommen habe.

Adrasteia
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Re: Helikopter Eltern

Beitrag von Adrasteia » Donnerstag 9. April 2015, 22:02

Also ist es dein erstes "richtiges" Gespräch mit der Mutter?
Dann wälz nicht gleich Probleme sondern guck, dass ihr erstmal vernünftig ins Gespräch kommt.
Mach es euch nett, nimm dir Zeit und "beschnuppert" euch auf möglichst positive Weise.

Und wie geschrieben: eine positive Sicht auf die Mutter und echtes (!) Verständnis und Akzeptanz deinerseits dafür, dass sie sich um ihr Kind sorgt, macht es ihr hoffentlich leichter.
Es ist für dich leichter, sie mit ins Boot zu holen.
Vielleicht hat sie selbst Ideen, wie ihr gemeinsam einen guten Weg fürs Kind finden könnt.

Jetzt kommt das Aber: stimme keinesfalls einer Idee zu, die Du nicht sofort hundertprozentig zusagen kannst.
In dem Fall bitte dir Bedenkzeit aus und verweise auf nötige Rücksprache mit den anderen Teamkolleginnen. Und dann guckt im Team, was machbar ist. Manches kann man in einer Kita einfach nicht leisten. Und das muss man dann halt erklären und vertreten.
Das Gefühl, überhaupt gehört und verstanden worden zu sein, ist gut und wichtig.

Gutes Gelingen :dd:

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