Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

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MiJu
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Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von MiJu » Mittwoch 14. Oktober 2015, 20:55

Hallo,
ich komme mal von Elternseite und würde mich gerne erkundigen, inwieweit Engagement von Seiten der Eltern bei euch in der Einrichtung gewünscht ist.

Meine Tochter ist gerade neu in die Kita gekommen. Der erste Elternabend, an dem es um die Wahl des EB ging war so schnell vorbei, dass ich mich fast nicht hätte hinsetzen müssen. Es ging eigentlich nur um diese Wahl und darum, dass wir unsere Kinder nicht IN der Gruppe verabschieden sollen, sondern DAVOR (was ich auch vollkommen in Ordnung finde).

Gestern war dann der erste vom EB einberufene Elternabend, allerdings ohne Erzieher. In den letzten Jahren gab es das so wohl nicht, so dass sich die Elternabende auf einmal jährlich zur Wahl des EB beschränkten.

Der allgemeine Eindruck der Eltern war dort, dass Vorschläge bzgl. Ausflüge der Kinder, Veranstaltungen mit Eltern und Kindern o.ä. immer abgeschmettert werden. Häufig kämen Aussagen, wie das wäre zu teuer oder die Aufsichtspflicht wäre nicht gewährleistet, bzw. solche Veranstaltungen wären versicherungstechnisch nicht möglich.
So gibt es in unserer Kita Ausflüge ausschließlich mit den Vorschulkindern. Die kleineren kommen eigentlich nie raus.
Es wurde gewünscht, dass es auch mal ein Picknick oder ein gemeinsames Frühstück mit Eltern und Kindern gibt. Woraufhin einige sagten, das würde die Leitung nicht machen.

Meine Frage ist daher:
Woher meint ihr könnte diese Abneigung gegen diese Art der Elternarbeit kommen? Da ansonsten alles sehr zufrieden sind und die Zusammenarbeit mit den Erziehern ansonsten m.E. super läuft, könnte es meiner Meinung nach entweder an einer zu hohen Arbeitsbelastung, also Überstunden liegen, oder daran, dass sich die Eltern in der Vergangenheit bei solchen Veranstaltungen nicht genug eingebracht hat. (Ich hätte auch keine Lust ein Sommerfest zu organisieren, wenn keine Eltern zum Aus- oder Abbau kommen oder sich auch mal selber an den Kuchenstand stellen.)
Wie könnten wir als "neue" Eltern vielleicht neuen Wind in die Sache bringen, damit in Zukunft mehr gemacht werden kann. Welche Möglichkeiten haben wir von Elternseite so etwas zu organisieren, bzw. was wünscht ihr euch als Erzieher von Seiten der Eltern bei solchen Veranstaltungen?

Bzgl. der Ausflüge mit dem Kindern (ohne Eltern):
Welche Argumente gibt es für und gegen solchen Ausflüge und wie macht ihr das in euren Einrichtungen? Gibt es Ausflüge? In welchem Rahmen? Mit oder ohne Elternbeteiligung?

Ihr seht es haben sich einige Fragen ergeben. Ich würde mich sehr freuen, von der "anderen Seite" zu hören. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die Elternseite in den letzten Jahren etwas versäumt hat und frage mich, wie man diese Vorbehalte auflösen kann.

Vielen Dank schon mal!

Lenina
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von Lenina » Mittwoch 14. Oktober 2015, 22:42

Zu deinen schon angestellten überlegungen, die si herlich ihre berechtigung haben und dur haus der grund sein können, kann nochhineinspielen, dass die erzieher "sich nicht gern in die karten schauen lassen wollen". Ich kenne einige kolleginnen, die sogar die eingewöhnung schnell " hinter sich bringen" um dir eltern wieder azs dem zimmer zuhaben. Hast du diesen eindruck? Dafür wüsste ich allerdings keine lösung, da es einstellungssache ist.

Elternarbeit ist immer mehr arbeit. Ist einfach so.

Versicherungsmässig spräche gegen einen aufenthalt und begleitung bei ausflügrn nichts. Allerdings könnte hier die befürchtung sein, dass die eltern (weil mit kindergruppen unrrfahren) bestimmte dinge nicht sehen und es zu zwischenfällen kommen könnte. Dem könnte man allerdings mut genauer instruierung und geeigneten aufgaben entgegen wirken.

Dass nur die orschulkinder ausflüge machen ist sehr schade. Gibt es da einen konkreten grund?wir gehen z.b. mit den kindern in den zoo und es ist eine reine krippe...
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Matushka
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von Matushka » Donnerstag 15. Oktober 2015, 04:05

Hallo und willkommen!
MiJu hat geschrieben:Woher meint ihr könnte diese Abneigung gegen diese Art der Elternarbeit kommen?
Auch Elternseite: Andere Eltern und ich haben an einer deutschen Grundschule durch zwei verschiedene Lehrer eine klare Grenzziehung erfahren, was die Partizipation betraf (1. und 4. Klasse). Rueckblickend wuerde ich behaupten, dass es beiden schwer fiel, sich von ihren taeglichen Gewohnheiten zu loesen und neue Ideen zuzulassen. Beide waren "etwas aelter" und hatten selbst keine Kinder.

Im Fall des Lehrers der ersten Klasse wurde auf einem Elternabend eine Konfrontation vorbereitet. Das fand ich sehr ungluecklich.

Bei der Lehrerin der 4. Klasse, die gleichzeitig Konrektorin war, suchte ich selbst das klaerende Gespraech -- dies verlief ebenfalls ungluecklich.

Ich koennte mir vorstellen, dass ein eingespieltes ErzieherInnen-Team, welches womoeglich seit Jahren seine eigenen Vorstellungen durchsetzen darf, auf (aus Erzieher-Sicht) fordernde, selbstbewusste Eltern durchaus allergisch reagieren kann.

Ich wuerde mich deshalb einstweilen auch erst mit den Hintergruenden vertraut machen wollen, bevor ich weiter agitiere (das sage ich jetzt aus der Sicht, wo meine Kinder gross sind ;-) ).

Gruss und alles Gute,

Sabine

MiJu
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von MiJu » Donnerstag 15. Oktober 2015, 07:49

Guten morgen und vielen Dank für eure Einschätzung.

Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass die Erzieher sich nicht in die Karten schauen lassen wollten. Wir hatten das erste Elterngespräch nach der Eingewöhnung, mit einem regen Austausch und auch ansonsten stehen wir in engem Kontakt. Aber ich werde das mal weiter beobachten.

Warum die kleineren keine Ausflüge machen, wird damit erklärt, dass zu wenig Personal da ist (wir haben 2 Gruppen mit 20 Kindern und die Kita verfügt über 2 Erzieherinnen Vollzeit, 2 Helferinnen Vollzeit, die seit mind. 30 Jahren in der Kita arbeiten, 2 Praktikantinnen und der Leitung), und dass die Kinder zu lange brauchen um von A nach B zu kommen. Busse o.ä. wäre zu teuer.

Dass die Eltern für eine Begleitung zu "unerfahren" wären, gilt bei uns eigentlich auch nicht, ich kenne alleine zwei Mütter, die selber Erzieherinnen sind und derzeit in Elternzeit. Die müssten sich damit ja auskennen.

Ich danke euch auf jeden Fall und werde mal weiter mit den Eltern sprechen. Vielleicht kann ich die Situation auch besser einschätzen, wenn ich die ersten Kiga-Feste miterlebt habe und weiß wie da die Zusammenarbeit läuft... oder eben nicht.

Einen schönen Tag euch allen!

amaria
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von amaria » Donnerstag 15. Oktober 2015, 08:22

Hallo MiJu,

bei mir würden die Alarmglocken klingeln, wenn Erzieherinnen von den Eltern erwarten, dass sie die Kinder auf dem Flur und nicht im Gruppenraum verabschieden. In meiner Gegend ist letzteres immer noch üblich und ich weiß nur von privaten Kitas, dass der Träger festgelegt hat, dass Kinder im Flur der Erzieherin anvertraut werden.

Wie sollen Eltern bei so einer Praxis mitbekommen, wie viel Personal tatsächlich ihre Kinder betreut? Sie können auch nicht sehen, ob Kinder, die offensichtlich krank und eine Ansteckungsgefahr für die anderen sind, in der Einrichtung betreut werden. Ist es nicht viel besser, wenn Eltern morgens im Gruppenraum sehen können, welche Kinder ihr Kind ansteuert und wer sich über die Ankunft ihres Kindes freut? Und grundsätzlich: Eltern haben ein Recht darauf, mitzukriegen, wie die Atmosphäre im Gruppenraum ist!
Auf Dokumentationen und KIndermund allein würde ich mich niemals verlassen.

Dass euch der höchst fragliche Beschluss nur kurz mitgeteilt wurde, wundert mich nicht. Eigentlich hätte dafür ein Brief ausgereicht. Aber obwohl Eltern vermutlich eigens einen Babysitter bestellt haben, fand kein Elternabend mit der Möglichkeit des Austausch statt.
Es sollte mich wundern, wenn das, was du geschildert hast, in einem konfessionellen oder kommunalen Kindergarten vorgefallen ist. Ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass Erzieherinnen selbst auf einer derartigen Regelung bestehen. Hinter manchem Missstand steckt ein Träger und da Erzieherinnen weisungsgebunden arbeiten, werden sie ihnen fremden Eltern nicht viel anvertrauen.
Ein bisschen Small-Talk im Gruppenraum schadet Kindern nicht. Im Gegenteil: Sie bekommen mit, auf welche Weise sich Erwachsene unterhalten und sie erleben dabei hoffentlich auch, dass Eltern und Erzieherinnen einander schätzen. Das aber ist eine wichtige Basis für eine weniger oberflächliche Kommunikation. Lässt man aber die Übergabe im Flur stattfinden, fehlt währenddessen die Erzieherin im Gruppenraum und die Erzieherin trachtet danach, so schnell wie möglich wieder in den Gruppenraum zurück zu können. Außerdem gibt es Leitungen, die die Bürotür offen stehen lassen, um Elterngespräche mithören zu können.

Wie stehen die anderen Eltern dazu, dass die Erzieherinnen euch haben auflaufen lassen, nur um euch einen Beschluss mitzuteilen?

Als Springkraft habe ich übrigens am liebsten in Einrichtungen gearbeitet, in denen die Mitarbeit der Eltern erwünscht war und in der sich die Eltern gern eingebracht haben.
Kannst du Angaben dazu machen, in welchen Zeiten die Kinder von wie vielen Erziehern betreut werden?

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

MiJu
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von MiJu » Donnerstag 15. Oktober 2015, 13:04

Hallo amaria,

es ist nicht so, dass wir die Kindern im Flur verabschieden müssen. Wir gehen mit zum Gruppenraum und übergeben die Kinder an die Erzieherinnen. In der Vergangenheit war es wohl so, dass manche Eltern die Kinder bis an die Spieltische gebracht haben, was lt. Erzieherinnen für sehr viel Unruhe gesorgt haben soll. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich das nie mitbekommen habe.

Ich kann leider nicht sagen, welche Erzieherin wann für meine Tochter da ist. Ich sehe morgens wer da ist und nachmittags beim abholen auch. Ihr Bezugspersonen sind aber eigentlich immer da. Ob diese Personen auch tagsüber immer für meine Tochter ansprechbar sind, kann ich nicht beurteilen.
Als ich deinen Eintrag gelesen habe, ist mir auch klar geworden, dass wir wenig Informationen von den Erzieherinnen bekommen, was die Kinder an Projekten o.ä. machen. Ich frage jeden Tag meine Tochter, was sie so gemacht hat und dann zeigt sie auch alles ganz stolz.
Vielleicht ist das "sich nicht in die Karten sehen lassen" wirklich ein Aspekt bei der Geschichte.

Hättet ihr denn einen Tipp, wie man diese Einstellung überwinden kann?

Wie gesagt, es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, dass ich unzufrieden bin. Wir Eltern sind einhellig der Meinung, dass die Kinder gerne in die Kita gehen. Die Kinder und auch die Eltern fühlen sich in der Einrichtung wohl. Vielleicht gehöre ich auch einfach zu den "zu engagierten" Eltern. Beim Elternabend wurde der Wunsch geäußert, dass die Eltern mehr beteiligt werden, was wahrscheinlich für beide Seiten auch mehr Arbeit bedeutet.

LG

Matushka
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von Matushka » Donnerstag 15. Oktober 2015, 14:19

MiJu hat geschrieben:Hättet ihr denn einen Tipp, wie man diese Einstellung überwinden kann?
Moin MiJu,

Der "Naehrboden" muss bereits vorhanden sein. Sonst kann es sein, dass man langsam aber sicher alle abtoernt....

Wenn Zeitmangel ein Mitgrund sein sollte und die ErzieherInnen bereits jetzt gestresst scheinen, wuerde ich auch (besonders!) als engagiertes Elternteil mit weiteren Schritten wirklich vorsichtig sein.

Gruss und alles Gute!

Sabine

MiJu
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von MiJu » Donnerstag 15. Oktober 2015, 14:58

Hallo Sabine,

die Erzieher machen im Allgemeinen keinen gestressten Eindruck, was ja auch für die Kinder nicht schön wäre, aber ich glaube, sie haben viel zu tun. Daher denke ich auch, dass wir nur ganz langsam etwas verändern können.
Vielleicht macht es Sinn zunächst bei Festen wie St. Martin einfach auf die Erzieher zuzugehen und zu fragen, ob man sie unterstützen kann, z.B. beim Aufbau oder beim Weckmannverkauf. Und dann mal sehen, was sie sagen. Wie gesagt, ich kann nicht beurteilen, wie die Elternarbeit bisher abgelaufen ist.

Vielen Dank für deine Antwort!
Miriam

Matushka
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Re: Braucht es mehr Engagement von den Eltern?

Beitrag von Matushka » Donnerstag 15. Oktober 2015, 15:36

MiJu hat geschrieben:zunächst bei Festen wie St. Martin einfach auf die Erzieher zuzugehen und zu fragen, ob man sie unterstützen kann, z.B. beim Aufbau oder beim Weckmannverkauf. Und dann mal sehen, was sie sagen.
:daumen:

Versuche in jedem Fall erst, das bereits existierende System zu erfassen. Das kann es leichter machen, dort anzusetzen, wo es Luecken gibt.

Und dazu gehoert auch, dass bei den ErzieherInnen dein Engagement moeglichst nicht als Kritik an ihrer Arbeit ankommt.

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