Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

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Urmelausdemeis
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Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

Beitrag von Urmelausdemeis » Dienstag 12. September 2017, 22:04

Hallo,

derzeit Frage ich mich, ob ich mit meiner Ansicht schlichtweg falsch liege und selbst das Problem bin oder ob mein Meinung berechtigt ist.

Folgende Situation:
Nach zwei Jahren Elternzeit bin ich zurück in der Einrichtung.
Von jeher war das Urteam (allesamt über 20Jahre in der Einrichtung und den Begriff äußerten sie mehrmals, da die Chefin dazu gehört) ein eingeschweißtes Ganzes. Neue Mitarbeiter würden Informationen erst später weitergegeben und auch so deutlich anders behandelt.
Sie pickten quasi die Rosinen heraus, der Rest bekam das übrige.
Projekte und Feste waren meist unbeliebt und lästig. Insgesamt war man wenig motiviert und mit Herzen dabei.
All das hat sich natürlich nicht geändert.
Da ich vor meiner Schwangerschaft in der Krippe gearbeitet hatte, war ich nicht permanent damit belastet.
Dies hat sich durch meinen Wiedereinstieg geändert.
Ich spalte sozusagen das Urteam.

Ein, für mich, viel größeres Problem jedoch ist, dass der Ton den Kindern gegenüber oft lieblos ist. Kinder werden oft und gern gescholten, meist passiert dabei nichts drastisches. zB müssen beim Essen alle sehr still sein oder gerade die Kleinen dürfen so gut wie nichts und werden ständig ermahnt. Angebote für sie gibt es nicht nur für Vorschulkinder. Alle Projekte sind auf letztere Altersgruppe ausgerichtet.
Alle Erzieherinnen sind zudem gerne am Lästern.
Es gibt nichts was nicht durch die Mangel genommen wird. Es wird über die Eltern hergezogen, über Kinder (ob sie anwesend sind interessiert nicht)…Krippenkollegen usw. Das geschieht permanent. Vorzugsweise im Garten, wo es sich natürlich anbietet bei einem Tratsch zu fünft wie angewurzelt stehen zu bleiben und herzuziehen. Positionen werden nur gewechselt, wenn sich Eltern nahen.
Jedem, wirklich jedem Kind wird etwas angedichtet.
Ist ein Kind etwas aktiver ist es sofort auffällig. Ist es ruhiger, ist es auffällig oder ist froh nicht Zuhause bespasst zu werden und genießt die Zeit ohne Übermutter usw.
Bei den Eltern ebenso. Permanent Unterstellungen. Der Vater ist überfordert. Die Mutter zu nachgiebig. Die einen Eltern bringen ihr Kind ständig und machen nie etwas mit ihm. Die anderen diskutieren ihren dreijährigen zu und erklären viel zu viel, darum weiß er so viel was er nicht soll usw.
Ich persönlich fand es hingegen beispielsweise eher bedenklich, dass ein 3.8 Jahre alter Junge weder die Farben rot,gelb, grün kannte und als ich meinte, dass ich das gerne angehen würde meinte die Kollegin, die den anderen herabfällig als "Zugeschwatzt" betitelte in diesem Falle: das muss er ja noch gar nicht wissen.
Zum ersten Mal sah ich ein Kind mit einem wirklichen Defizit und es wurde negiert und abgetan ansonsten wird förmlich nach Dingen gesucht.
Bei all ihren kuriosen Beobachtungen bemerkt aber niemand, dass Kinder nicht aus der Vogelnestschaukel heraus kommen, sich gegenseitig über den Fuß fahren, ihre Mützen nicht richtig auf haben oder dass sie hinfallen, bluten und weinen.
Überhaupt werden weinende Kinder kaum getröstet.

Kinder sind ständig auf mich fixiert. Im Garten ruft alles meinen Namen, da ich mich als einzige aktiv zu wende.

Ich distanziere mich ganz bewusst und stelle mich nicht zu den anderen (selbst unsere Bufdis machen es nun) sondern bin für die Kinder da und bin Ansprechpartner , Beobachter, und teilweise auch Spielpartner.
Jedoch keine Statue.

Mir macht das echt zu schaffen.
Sehe ich das zu eng? Nehme ich meine Arbeit nicht ernst genug oder lege sie falsch aus?????
Muss ich mich auch mehr distanzieren und mehr Beobachter anstatt Ansprechpartner sein?
Das Frage ich mich tatsächlich.
Ich möchte so aber weder sein, noch werden geschweige denn arbeiten. Ich möchte nicht nach Schwächen, Defiziten suchen. Also krankhaft. Man merkt ja, wo ein Kind Bedarf hat und wo nicht und dementsprechend agiert man. Aber darauf herum reiten tut man doch nicht.
Ich finde auch die Aussage über den dreijährigen Jungen der sprachlich einfach weiter ist sehr schlimm.
Warum kann man es nicht einfach stehen lassen und als Begabung ansehen? Warum unterstellt man den Eltern, sie würden ihr Kind zu texten und macht sofort ein Problem daraus?

Gelobt werden generell nur angepasste, ruhige Kinder aber auch hier findet sich das Haar in der Suppe.

Ich kann mich mit dem Problem auch nicht an die Leitung wenden, da sie ja in dieses Vorgehen involviert ist, es selbst massiv praktiziert und toleriert.

Mich nervt diese negative Stimmung so und ich weiß nicht wie sich das ändern lässt.

Habt ihr einen Tipp für mich?

Liebe Grüße
Urmel

amaria
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Re: Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

Beitrag von amaria » Mittwoch 13. September 2017, 10:11

Hallo!

Man hat immer eine Chance, aber du bist wirklich in keiner beneidenswerten Situation. Gibt es größere Altersunterschiede im "Urteam"? Dass alle gleichzeitig in Rente oder Frührente gehen, ist unwahrscheinlich. Wer würde Nachfolgerin der Leiterin werden? Falls personelle Veränderungen bald zu erwarten sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Erzieherinnen, die dir und den Kindern das Leben schwer machen, Angst vor den Veränderungen haben. Es wird unweigerlich zu Veränderungen kommen.

Kannst du abschätzen, welche Eltern dir beistehen würden, wenn du etwas ansprichst, was das "Urteam" dir verübeln würde? Wurde bei euch eigentlich schon mal darüber nachgedacht, Supervision in Anspruch zu nehmen?

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Urmelausdemeis
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Re: Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

Beitrag von Urmelausdemeis » Mittwoch 13. September 2017, 15:29

Ich danke dir für deine Antwort.
Diese Überlegungen hatte ich auch.
Eine Kollegin (leider auch die, die sich, wenngleich auch lustlos, mal kurzweilig zu den Kindern gesellt und was macht und sich aus der Fünfer Konstellation löst) geht nächsten Sommer. Die beiden weiteren in, grob geschätzt, drei Jahren. Wäre demnach absehbar, jedoch ist die andere des Urgesteins noch relativ lange mit von der Partie und derzeit auch Stellvertretung. Somit ist zu erwarten, dass diese Kollegin auch eines Tages die Leitung übernimmt und den Kindergarten im selben Prinzip weiterführen wird. Sprich, "Zucht und Ordnung"…"ständig Grenzen setzen" und das alles auch mal in einem schroffen Ton. Sie ist auch ganz vorne beim Lästern und Kinder auseinandernehmen mit dabei.
Ich warte also derweil, dass einfach zur gegebenen Zeit fähigere Kolleginnen nachkommen und ein Wunder geschieht.

Ich habe natürlich auch an Kündigung gedacht. Eigentlich möchte ich unter solchen Bedingungen keinesfalls arbeiten und ständig anecken bzw dagegen ankämpfen.
Jedoch denke ich vor allem an die Kinder. Diese tun mir wirklich leid, würde ich gehen wären sie ausschließlich solchen Eskapaden ausgesetzt. Den Gedanken fände ich schlimm.

Es sind unzählige Beispiele.
Heute zb kam Erzieherin 1 in die Gruppe um ein Kind mitzunehmen, der Ton in dem sie das Kind bat mitzukommen war wieder äußerst freundlich (generell herrscht meist ein rauer, unfreundlich, genervt anmutender Ton) da äußerte Erzieherin 2, dass Erzieherin 1 ja nun Glück habe, dass das Kind nicht wie gestern reagiert habe bei ihr wäre es ja ganz schlimm gewesen. Vor dem Kind diskutierten sie dann über dieses Verhalten. Erzieherin 2: "Na, das probiert er Mal, da kriegt er aber so ärger, dass er sich das nicht mehr traut."
Solche Situationen gibt es immer wieder.
Die Kinder werden völlig eingeschüchtert und in ihrer Würde verletzt.
Generell gibt es keine Achtung...diese findet man nur unter den Urmitgliedern selbst.

Die Eltern merken das durchaus.
Dem Elternbeirat gegenüber wurde auch (im letzten Kindergartenjahr) die Beschwerde geäußert, die Erzieherinnen würden nichts mit den Kindern machen und gingen stets den bequemen weg.
Das war also bereits im letzten Jahr und da sich nichts verändert hat sehen das die Eltern noch immer.
Auch so merken sie sicherlich wer mit den Kindern wie umgeht. Kinder erzählen ja auch.

Vielleicht sollte ich tatsächlich irgendwann den Träger informieren. Derweil dokumentiere ich einfach diverse Situation, die mir aufgefallen.

Ach ja, da wir bereits vor der Schwangerschaft diverse Probleme im Team hatten (viel Wechsel, da neue Kollegen es nie lange aushielten) würde Supervision angeboten seitens des Trägers.
Innerhalb der Teamsitzung machte dies unsere Chefin bekannt und fügte hinzu, "also bei uns gab es in all den Jahren nie einen Grund für Supervision sollten neue Mitarbeiter dies wünschen dann bitte Hand hoch".. damals sagte ich bereits dass ich dafür wäre...der Rest der neuen Kollegen enthielt sich. Aber die Option wurde seitens der oberen Etage ja auch sofort negiert und als unerwünscht erachtet.

Liebe Grüße dir

Lenina
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Re: Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

Beitrag von Lenina » Mittwoch 13. September 2017, 21:36

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass du nachhaltig etwas ändern kannst.

Ich habe es lange probiert, hatte jetzt Hoffnung weil eine sehr engagierte und kompetente Leitung als EZ-Vertretung gekommen ist, aber es ändert sihc trotz allem bisher nichts.

Ich habe versucht über Vorbild, Gespräche, interessante Artikel, Diskussionen manch eine zum Umdenken und Nachdenken zu bewegen, aber jetzt gebe ich auf und gehe.

Raus aus dem Job, der mich krank macht.

Love it, change it or leave it.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

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Re: Rauer Ton, Lieblosigkeit und Lästern

Beitrag von amaria » Donnerstag 14. September 2017, 09:00

Hallo Urmelausdemeis,

da Supervision teuer ist - und manchmal auch nur noch mehr Konflikte bewusst macht, ohne dass es zu Lösungen im Sinne von Verbesserungen käme, kann man verstehen, wenn ein Träger zufrieden damit ist, wenn ein Team beschließt, dass eine Supervision nicht nötig wäre. Aber in eurem Fall könnten "Lösungen" in Form von freiwilligem Ausscheiden von berufsmüden Kolleginnen ja auch eine Lösung sein.

Dem Fazit von Lenina können bestimmt einige zustimmen. Würdest du eine Herabstufung hinnehmen müssen, wenn du deinen Arbeitgeber wechselst? Es besteht ansonsten die Möglichkeit, beim Träger den Kündigungswunsch zu äußern und darum zu bitten, in einen anderen Kindergarten des Trägers versetzt zu werden. Wenn Eltern miterleben müssen, wie dass eine geliebte Erzieherin ihrer Kinder in einer benachbarten Einrichtung weiterarbeitet, gibt ihnen das zu denken.

Es ist schade, dass sich zu viele Eltern damit arrangieren, wenn Kinder von einzelnen oder gar vielen oder allen Erzieherinnen rüde behandelt werden. Zuerst meinen die Eltern der Kleinsten, dass sie ihrem kaum sprechenden Kind nicht glauben könnten und gegen Ende der Kindergartenzeit sind die größeren Kinder schon dran gewöhnt und den Eltern ist bewusst, dass die Zeit nun bald zu Ende ist. Immer sollen "die anderen" was unternehmen.

Eigentlich wäre es prima, wenn es mal beim Kinderschutzbund eine neutrale Beratung für überforderte Erzieherinnen geben würde. Keine Ahnung, was der Deutsche KInderschutzbund sich wieder für dieses Jahr ausgedacht hat, aber wenn es bei "Trommeln für Kinderrechte" und Aktionen gegen Kinderarmut bleiben sollte, bleibt es auch beim Ignorieren vieler alltäglicher Missachtungen der Grundbedürfnisse von Kleinkindern.

Es wäre sehr schade, wenn du - obwohl es gute Argumente dafür geben wird - kündigen würdest! Ein Tipp: Besprich die Angelegenheit auch mit deinem Mann oder sogar mehreren Männern. Das klärt manchmal den Blick und kann helfen, sich mit mehr Power gegen diejenigen zu wehren, die nicht nur über die Kinder bestimmen wollen. Die Art, wie über die Supervision abgestimmt wurde, lässt ahnen, dass auch die neuen Kolleginnen sich nicht frei äußern und frei entscheiden können sollen. Vielleicht stehen einige insgeheim doch auf deiner Seite?

Manchmal hilft viellleicht auch ein Glas Prosecco! Und der Gedanke "Das lasse ich mir nicht gefallen!" Zwar ist es typisch für Erzieherinnen, zuerst an die Kinder zu denken, die du ja nicht im Stich lassen willst. (habe selbst auch öfter so gedacht.) Aber klarer gegenüber dem Urteam kannst du handeln, wenn du dir bewusst gemacht hast, was "die" mit den Kindern und dir nicht machen dürfen. (Ich gebe zu, dass ich die wertschätzenden Gesprächstechniken manchmal für unangebracht halte.)

Freundliche Grüße

amaria
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