Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

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Judith
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Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Judith » Montag 17. Februar 2014, 19:01

Ich arbeite seit Februar in einem neuen Kindergarten, in der Krippe, als Leitung.

Nun ist es so, dass ich heute ein Gespräch mit der Chefin hatte und dort sagte, dass ich gerne Überstundenzettel einführen möchte bezüglich welche Mehrstunden gemacht werden und welche Minusstunden gemacht werden. Einfach, damit ich einen Überblick habe, wo meine beiden Kolleginnen so stehen.
Chefin sagte dann zu mir, dass es so etwas dort nicht geben würde und es nach Vertrauen gemacht wird. Bedeutet, jeder weiß, wie viele Überstunden er hat und achtet selbst darauf, dass diese schnell wieder abgebaut werden.
Allerdings sollen die Überstunden und Minusstunden der Chefin gemeldet werden.

Jetzt hat einer meiner beiden Kolleginnen in den letzten zwei Wochen schon mind. 10 Minusstunden gemacht (immer wenn Vorbereitungszeit war bzw. einmal auch während ihrer Betreuungszeit am Kind). Vom Letzten weiß die Chefin, das andere habe ich ihr genehmigt. Daher kam ich auch auf die Idee einen Überstundenzettel einzuführen, weil ich nicht weiß, wie viele Überstunden sie überhaupt hat.
Ich sagte dann auch der Chefin so beiläufig, dass XY ihr ja sicherlich letzte Woche jedes Mal mitgeteilt hätte, wann sie eher gegangen ist. Als Antwort bekam ich, dass XY eine langjährige Mitarbeiterin sei und die Regel kennen würde.

Ich bin jetzt ein wenig hin und her gerissen. Zumal mich die andere Kollegin heute darauf hingewiesen hat, dass ich nicht einfach so einen Überstundenzettel einführen darf, sondern das mit der Chefin besprechen muss. Die andere Kollegin ist seit 1,5 Jahren in der Krippe, war dort vorher auch nicht im Kindergarten. Sie fand die Idee mit dem Überstundenzettel nicht gut,
genauso wie XY, die ihren Unmut auch frei äußerte und sagte, dass ich denn gar kein Vertrauen in ihr hätte (das war Anfang letzter Woche). Sie wies mich allerdings nicht darauf hin, dass ich mit Chefin darüber sprechen solle, stattdessen habe ich das Gefühl, dass sie mich seitdem ignoriert und nur noch die nötigsten Wörter mit mir wechselt. Sie arbeitet im Übrigen seit 18 Jahren in der Einrichtung, erst jahrelang Kindergarten, jetzt seit 1,5 Jahren Krippe und ihr fällt es sehr schwer die Gruppenleitung (die sie für ca. 2 Monate hatte) wieder abzugeben. Warum sie die nicht behalten hat, weiß ich allerdings auch nicht. XY stellt sich auch immer in den Vordergrund, gibt sich vor den Eltern als Alleswisserin und gibt mir gar keine Chance auch etwas zu erklären, mich mit denen zu unterhalten, usw.. Stattdessen mischt sie sich da ein, usw.. Das erschwert mir den Zugang zu den Eltern. Es ist auch im Bezug zu den Kindern so. Ich denke (hoffe sehr), dass sich das alles mit der Zeit legt, aber so wie es zurzeit ist, ist es auch nicht schön.
Heute war XY den ganzen Tag in einer anderen Gruppe (Personalmangel dort) und die andere Kollegin und ich haben die Gruppe gehabt mit den Kindern. Es war so viel entspannter, fand ich.

Zurück zum Ausgangspunkt. Ich werde morgen mich bei XY "entschuldigen" und ihr sagen, dass ich den Überstundenzettel nicht mehr einführen werde. Das ich da einfach über mein Ziel hinaus geschossen bin und nun einen Gang zurück schalten werde.
Allerdings fällt es mir schwer meinen beiden Kolleginnen diesbezüglich zu vertrauen insbesondere XY. Ich meine, sie kann ja jede Überstunde somit auch mehrfach abbauen, wenn ich das gar nicht überblicken kann.
Ich denke, ich werde es in der Anfangszeit jetzt so handhaben, dass sie mir (gilt für beide Kolleginnen) jede Stunde die sie abbauen möchten mitteilen sollen, aber das auch der Chefin sagen sollen. Oder ist das übertrieben? Ich meine, Chefin hat es mir ja auch so gesagt, dass es so dort läuft.
Des weiteren fände ich es schön über die Überstunden Bescheid zu bekommen, nur wird XY da vermutlich nicht mitmachen und einfach weiter ihr Ding durchziehen.
Ich denke, ich werde den Part einfach mehr auf die Chefin übergeben.

Zenobia
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Zenobia » Dienstag 18. Februar 2014, 08:13

Hallo,
du bist gerade ganz frisch in der Einrichtung und willst, obwohl du nicht die Chefin bist, Überstundenzettel einführen.

Zunächst einmal hast du dich noch gar nicht eingelebt und das Einführen von Überstundenzetteln ist Sache deiner Vorgesetzten. Du hast gegen die Regeln des guten Anstands verstossen. Deine Forderung unterstellt den Kolleginnen, dass sie ihre Überstunden nicht korrekt abrechnen würden. Dies stellt einen großen Vertrauensverlust dar.
Überlege dir, wie sich die anderen fühlen. Und was ist eine Krippenleitung? Darunter kann ich mich gar nichts vorstellen. Oder ist das eine Leitung, die unter der Kindergartenleitung steht?
In manchen Bereichen müssen Erzieherinnen Toleranz aufbringen, ganz besonders, wenn frau neu in der Krippe, in der Kita,in einer Einrichtung ist.

Juliala
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Juliala » Dienstag 18. Februar 2014, 14:04

Hallo,

ich war schon in vielen Einrichtungen tätig. In nur zwei Einrichtungen wurden die Überstunden von der Leitung kontrolliert und genau in diesen Einrichtungen herrschte eine Autorität und Kontrolle, die ich komplett ablehne.

In allen anderen Einrichtungen war jeder selbst für seine Über-und Minusstunden verantwortlich. In einer Einrichtung gab es ein Überstundenbuch, welches im Büro lag. Jeder trug sich dort selbstverantwortlich ein.
In meiner jetzigen Einrichtung schreibe ich die Stunden in meinen persönlichen Kalender, der bei mir zu Hause liegt.
Ich vertraue meinen Kolleginnen zu 100% und sie vertrauen mir ebenso. Vertrauen ist die Basis einer jeden Zusammenarbeit.
Sollte eine Kollegin auffällig viele Überstunden abbummeln, obwohl kaum welche angefallen sind, dann muss man zu gegebener Zeit miteinander reden, aber vorher schon durch Kontrolle ein gewisses Misstrauen zu unterstellen, halte ich für absolut kontraproduktiv.

Mich würde auch interessieren, was eine Krippenleitung ist.
Ich kenne nur die Gesamtleitung einer Kita mit ihrer Stellvertretung.
Werden jetzt schon künstlich Hierarchien geschaffen?

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Niragara
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Niragara » Freitag 28. Februar 2014, 14:48

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Du hast das Vertrauen deiner Kolleginnen mit deiner Idee Überstundenzettel einzuführen angegriffen und diese schalten jetzt natürlich auf stur. Auch deine Chefin scheint von deinem Vorhaben nicht sehr begeistert zu sein. Du bist gerade neu in dieser Einrichtung und machst schon ein bisschen einen auf Chefin. Das finden deine Kolleginnen klar nicht so toll. Ich würde an deiner Stelle einen Gang zurück schalten, bis du das Vertrauen von ihnen wieder erlangt hast. Ansonsten kann daraus noch ein richtiger kleiner Kampf entstehen.

Ich war schon in 2 verschiedene Einrichtungen und in jeder wurden die Über bzw. Minusstunden nich dokumentiert. Es lief alles auf Vertrauensbasis und das war meiner Meinung nach auch gut so. Das ist natürlich Ansichtssache, aber wenn das deine Einrichtung so macht, musst du es eben erst einmal akzeptieren.

Mich interessiert es auch mal was eine Krippenleitung ist? Kannst du uns das mal erklären?

Lenina
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Lenina » Freitag 28. Februar 2014, 15:21

Abgesehen vom Zeitpunkt:

Bei uns gibt es ein Arbeitszeitkonto auf dem PC, wo alle Arbeitszeiten eingetragen werden und abgeglichen werden mit dem Soll. So sieht man immer direkt, wie viele Überstunden man noch hat, wieviel Urlaub etc. Ds Ganze ist natürlich passwortgesichert und nur die jeweilige Erzieherin und die Leitung können rein.
Finde ich eigentlich ganz okay, weil wirklich auch die 10 oder 15 min, die man länger bleiben musste mit drin stehen.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

MareikeM
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von MareikeM » Montag 31. März 2014, 14:15

Wir haben das Problem, dass Überstunden laut Vertrag nicht geleistet werden dürfen, wir machen sie aber trotzdem. Eine Sonderregelung gibt es für uns somit nicht, aber dafür gesteht und die Leitung einige Freiräume ein, z. B. Schichten tauschen oder Tage frei machen (und jemand anderes springt ein). Meiner Meinung nach beruht das nicht nur auf viel Vertrauen, sondern auch auf sehr viel Organisationsaufwand..
Denn einer muss ja den Überblick über den Papierkram behalten. Außerdem ganz wichtig: offene und ehrliche Kommunikation! Und Verständnis :)

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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Borstel » Montag 31. März 2014, 22:43

Bei uns gibt es auch reguläre Arbeitszeitkonten. Das funktioniert wie fogt:
Die Leitung erstellt einen tabellarischen Dienstplan wo die tagliche Arbeitszeit festgeschrieben steht. Jede Kollegin muss sich zu Dienstbeginn eintragen und am Dienstende austragen und zwar mit der tatsächlichen Zeit. Dafür gibt es unter der geplanten Zeit eine extra Tabellenzeile. Am Ende der Woche wird der Dienstplan von der Leitung
abgeschlossen, indem die Plus oder Minusstunden kummuliert für die eine Woche und am Rand der kummulierte Gesamtstundenwert angegeben wird.
Zum jahresende soll das Stundenkonto möglichst auf Null stehen. Diese Verfahrensweise wurde von Träger so vorgegeben und schafft Transparenz auf beiden Seiten.
So ist alles klar geregelt und es gibt keine Diskussionen. Niemand arbeitet umsonst oder schummelt mit Abfeierstunden. Eine Leitung, wo Jeder machen kann, was und wie er will, ist ihr Geld nicht wert. Wo bleibt da die Sicherheit und Transparenz für die Angestellten und den Träger ?

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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Kees_Kopf » Mittwoch 2. April 2014, 14:58

Eine gute Stundendokumentation ist im Vorteil aller ArbeitnehmerInnen in einem Betrieb. Da ist ein Kindergarten nicht ausgeschlossen.

Der Nachteil, und das ist der einzige Nachteil den ich als solches für den ArbeitnehmerIn erkennen kann, ist jedoch, dass man nicht mehr einfach mit seine Stunden schummeln kann, sondern durch die Dokumentation tatsächlich seine Arbeitszeit erfüllen muss. Sicher nicht für jeden, aber für manche doch ein Nachteil.

Das Problem mit "stillschweigende" Überstunden ist, dass der Arbeitgeber nicht gezwungen ist diese in irgendeiner Form (Freizeit als erste, Auszalhung als zweite Option) auszugleichen. Besonders dann nicht, wenn Überstunden erst gar nicht genehmigt sind. Bei einem in Betrieb vorhandenen Mitarbeitervertretung (Betriebsrat, Personalrat) müssen Überstunden in der Regel auch vorher vom Betriebsrat zugestimmt werden. Ausnahme ist ein Notfall (z. B. kurz vor Feierabend bricht sich Kolegin A ein Bein und die Gruppe muss noch zwei Stunden betreut werden). Freiwillig geleistete Übestunden sind verschenktes Geld. Hinzu kommt, dass Mtarbeiter die dauerhaft Überstunden leisten, gerade dann wen diese nicht einmal vergütet oder ausgeglichen werden (können, weil Überstunden nicht zugelassen sind), den Arbeitgeber dabei helfen ein nicht rechtmäßig funktionierendes System aufrecht zu erhalten. Manche Arbeitgeber scheinen darauf sogar zu spekulieren - solange die Mitarbeiter aus ihrem Helfersyndrom heraus die Bude am Laufen halten habe ich kein Handlungsbedarf...

Es ist allerdings so, dass eine Stundendokumentation in einem Betrieb Zustimmungspflichtig ist, vorausgesetzt es gibt ein MAV (BR, PR). Einzelne MitarbeiterInnen, auch nicht ein Vorgesetzte, können so etwas nicht auf eigene Faust einführen. Am Einfachsten ist tatsächlich ein System wo die Zeiten des Dienstplanes, wenn abweichend, entsprechend eingetragen und quittiert werden. In größere Einrichtungen bzw. Entsendung in Zweigstellen, kann auch ein Stundenzettel (mit alle geleistete Stunden, nicht nur die Überstunden) benutzt werden.

Wer aber als Gruppenleitung die Verantwortung für einige MitarbeiterInnen trägt, kann natürlich selbst ein Übersicht führen, wer wann welche Stunden geleistet hat. Dies ist aber nur für den eigenen Gebrauch und nicht im Sinne des Arbeitsrechts. Egal ob in einem Betrieb eine zentrale Stundenerfassung vorhanden ist, ich empfehle jeder selbst ein einfachen Stundenstatus zu führen, es reicht wenn man das im Kalender einträgt. Und nicht vergessen, Pausen sind unbezahlte Zeit, müssen also vom Tagespensum abgezogen werden (es sei denn, diese sind nachdrücklich im Arbeitsvertrag als bezahlter Zeit festgelegt).

Kees
Je suis Charlie!

Lisaa
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Lisaa » Mittwoch 16. April 2014, 11:33

Bei uns gibt es mittlerweile „Chips“, die jeder von uns an einen Sensor zu Arbeitsbeginn- und ende dranhält und gut ist. So wird alles gezählt.

Tanni Banni
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Re: Überstunden nach Vertrauen-wer kennt das?

Beitrag von Tanni Banni » Sonntag 16. November 2014, 18:58

Ich hab noch in keiner Kita gearbeitet, in der die Überstunden nicht dokumentiert wurden. Bei uns ist es jetzt so ähnlich wie Borstel es beschrieben hat. Es wird von einer Kollegin/einem Kollegen (das wechselt immer bei uns wer den Dienstplan schreibt) ein Dienstplan erstellt und wir müssen uns täglich ein- und austragen mit unserer tasächlichen Arbeitszeit. Ende des Monats wird dann alles abgerechnet und die Plus- oder Minusstunden werden ermittelt. Diese bekommt dann der Dienstplanschreiber, um dies auch gleich im Dienstplan berücksichtigen zu können.

Überstunden nach Vertrauen sind in meinen Augen völliger Quatsch. Kann ja dann gleich jeder kommen und gehen wann er will.

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