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Sanne85
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Beitrag von Sanne85 » Freitag 9. Juni 2017, 19:03

Hallo ihr Lieben,

ich habe ein ganz dringende Frage, es ist so, ich arbeite in einem kleinen Dorf sehr sehr ländlich und wir haben dort seit einem guten Jahr eine interkulturelle Tagesstätte mit Krippe, Kiga und Hort eröffnet. Es gab vor kurzem einen Leitungswechsel. Ich bin Leitung geworden und wir haben noch eine Hauptleitung, die viel Öffentlichkeitsarbeit leistet, in unserem Rathaus miteingesiedelt ist und wir haben nun folgendes Problem.
Es gab bei uns ein Schattentheater, dieses wurde kostenlos von einem Papa aufgeführt mit der Bitte Fotos machen zu dürfen, hauptsächlich von Hinten. Wir haben uns von den Eltern unterschreiben lassen, dass dies in Ordnung geht und er die Fotos für Werbezwecke hernimmt. Leider ist jetzt auf einem Minifoto ein Mädchen im Profil zu sehen, klar wir wissen wer das Kind ist, aber sonst keiner. Die Mutter hat uns dieses Schreiben auch unterschrieben, also die Einverständniserklärung, jetzt will sie uns aber Verklagen, weil wir das Foto genutzt haben. Auch arbeitet unser Träger viel mit Website und hat eine für die Einrichtung erstellt, auch dort kommen Fotos drauf, allerdings kaum Fotos wo Kinder frontal zu sehen sind, alle Eltern haben dies eingewilligt, außer diese Familie. Jetzt ist diese Familie auf einem Foto mit raufgerutscht wo wir ein Fest hatten.
Meine Hauptleitung ist mit den Nerven am Ende und wurde zwei Tage krankgeschrieben, weil sie eine echt üble Mail von dieser Familie bekommen hat, wo auch gedroht wurde, dass sie angezeigt wird etc.
Jetzt ist es ja eigentlich so, dass auf solch Veranstaltungen, das Recht auf das eigene Bild doch irgendwie erlischt, sofern die Persönlichkeit bewahrt wird oder?
Unser Träger hat halt in seinem Betreuungsvertrag einen Paragraphen mit Fotoerklärung, auch Website etc. und einen Punkt, wo drin steht, dass sie keine Fotos von ihrem Kind wollen. Die Familie hat allerdings in dem Vertrag nur einzelne Passagen gestrichen und hat auch geschrieben, sie wollen diese Erklärung nicht erteilen, jedoch darf das Kind in anderen Portfolioordner zu sehen sein.

Wer kennt sich denn Rechtlich mit Fotos aus und kann mir da weiterhelfen?

Mittlerweile haben wir alle Bedenken überhaupt noch Fotos zu machen und eigentlich ist diese Portfolioarbeit bei uns eh mit vielen selbstgestalterischen Blättern der Kinder verbunden.

WEr kann mir helfen?

Lenina
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Re: Fotos

Beitrag von Lenina » Freitag 9. Juni 2017, 23:51

Hallo

Das klingt sehr haarig und wenn schon von Verklagen und ähnlichem die Rede ist, würde ich dringend die Angelegenheit mit einem Anwalt besprechen. Das sind sehr kleine Nuancen, die ein Laie wohl nicht endgültig sicher klären kann.

Mein GEFÜHL sagt mir: Wenn die Mutter unterschrieben hat, dass das Kind nicht erkannt wird und es ist erkennbar, dann hätte das Foto nicht veröffentlicht werden dürfen.
Und wenn jemand sein Kind nicht im Netz finden möchte und es doch geschieht, dann ist das definitiv ein Problem (habt ihr das Foto jetzt raus genommen?).

Ich würde/habe z.B. auch nicht zustimmen/zugestimmt, dass Fotos von meinem Sohn im Internet, Zeitungen usw. zu sehen sind. Auch einger digitalen Verbreitung über z.B. email würde ich nicht zustimmen. InPortfolios anderer Kinder wäre es aber für mich ok.


Abgesehen von den rechtlichen Dingen wäre für euch zuunächst intern ebenfalls zu klären, ob nach den Vorfällen noch ein Vertrauensverhältnis zwischen euch und den Eltern besteht, das ein Fortführen des Vertrages ermöglicht oder ob eine Kündigung in Erwägung gezogen werden muss (evtl. kommt die auch von den Eltern?)
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Sanne85
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Re: Fotos

Beitrag von Sanne85 » Samstag 10. Juni 2017, 10:23

Hallo,

danke für deine Einschätzung.
JA, wir wollen diese Familie auch frühzeitig aus dem Vertrag entlassen. Ob sie das annehmen, ist fraglich. Evtl. aber merken sie, dass so eine Umgangsform keine gute Basis ist. Das Problem ist, dass die Familie sich auch aufgeregt hat, weil eine andere Mutter, zwei Bilder aus dem Portfolioordner ihres Kindes gemacht hat. DA war die Tochter auch von hinten zu sehen.
Das mit dem Flyer hat sie uns ja unterschrieben, das Kind ist vom Rücken her zu sehen und leider auch ein bisschen was von ihrem Gesicht. Jedoch kann man das wirklich mit einer Lupe erkennen, sind ja noch ziemlich viele Kinder zu sehen. Mein Träger sagt, das Kind ist vom Rücken her zu sehen.
Leider dürfen wir ja auch keine Fotos übers Internet entwickeln lassen OHNE Einverständniserklärung. Es ist alles total verzwickt. Mein Träger schlägt nun vor, das ganze ein bisschen zu ignorieren und ihnen den vorzeitigen Austritt anzubieten. Diese Familie ist nur am Fordern und der Umgangston ist sehr derb.

danke dir.

Judith
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Re: Fotos

Beitrag von Judith » Montag 12. Juni 2017, 21:20

Als Erstes würde ich mich daran setzen, alle Fotos worauf das Kind und ihre Familie zu sehen ist (und wenn auch nur von hinten) aus dem Internet raus zu nehmen und auch aus allen Werbezwecken, usw. und auch dem Vater (Aufführer des Schattentheaters) darüber in Kenntnis zu setzen, sich mit ihm zu treffen und ihm schriftlich darauf hinzuweisen, dass er alle Bilder von dem Kind/Familie nicht nutzen darf. Sollte er welche ins Internet oder für andere Werbezwecke genutzt haben, muss er diese entfernen. Das würde ich per Einschreiben raus senden oder mir unterzeichnen lassen, dass er das zur Kenntnis genommen hat und machen will. Nicht, dass er später sagt, er hätte davon gar nichts gewusst. Mit der Unterschrift bzw. Beweis vom Einschreiben könnt ihr nachweisen, dass ihr ihn darüber in Kenntnis gesetzt habt.
Als Nächstes würde ich die Familie zu einem Gesprächstermin einladen. Dort würde ich mich für diese Unannehmlichkeiten entschuldigen und auf die bereits getroffenen Maßnahmen hinweisen. Bereits getroffene Maßnahmen: Die Entfernung der Bilder aus dem Internet, von eigenen Werbezwecken und auch darauf, dass der Vater darüber in Kenntnis gesetzt worden ist das zu machen. Gemeinsam würde ich dann versuchen, wie wir mit der vorhandenen Situation weiter umgehen wollen, welche Wünsche die Eltern diesbezüglich konkret haben. Ein Gespräch kann vieles bewirken und eine Klage oftmals umgehen. Unbedingt bei diesem Gespräch Protokoll führen und unterzeichnen lassen. Auch, wenn die Eltern das abbrechen, dann so reinschreiben, dass die Eltern das Gespräch abgebrochen haben. Genauso, wenn sie eine Anzeige machen wollen. Das Protokoll kann am Ende noch ausschlaggebend sein. Und unbedingt von allen anwesenden Personen unterzeichnen lassen. Und sollten sich die Eltern weigern, das Protokoll zu unterschreiben, kann das auch so da rein geschrieben werden. Auf keinen Fall alleine in das Gespräch gehen. Mind. zu zweit: eine Gesprächsleitung, ein Protokollführer. Evtl. besteht auch die Möglichkeit, dass ihr beide (du und obere Chefin) Gesprächsleitung sein könnt und zusätzlich jemand als Protokollführer mit rein geht. Umso mehr dabei sind, umso mehr Zeugen gibt es im Extremfall.
Wenn es schlecht läuft und die Eltern die Klage im Raum stehen lassen würde ich es mit einem Anwalt besprechen, was da nun wirklich auf euch zukommen kann.

Wie genau es nun rechtlich aussieht, kann ich euch nicht sagen.
- hat die Familie unterschrieben, dass nur ihr Kind von hinten zu sehen sein darf oder auch sie als Eltern? Das kann am Ende ausschlaggebend sein. Denn wenn nur Kind und die Eltern sind zu sehen hättet ihr das Foto nicht nutzen dürfen. Steht in der Einverständniserklärung genau drin, dass die Kinder von hinten und frontal zu sehen sein können oder nur von hinten? Wenn nur von hinten, hättet ihr das Foto, wo das Kind frontal zu sehen ist nicht nutzen dürfen. Egal, wie viele weitere Kinder noch mit auf dem Bild drauf sind und wie klein das Kind darauf abgebildet ist.
-steht in der Einverständniserklärung drin, dass die Bilder auch im Internet zu sehen sein können? Wenn nicht, dürft ihr das nicht. Bzw. diese Familie hat im Betreuungsvertrag geschrieben, dass sie dem nicht zustimmt und daran müsst ihr euch dann halten.
- das eine andere Mutter Fotos aus dem Portfolio des Kindes abfotografiert finde ich nicht ok und hättet ihr untersagen können. Egal, ob das Kind nur von hinten zu sehen ist oder frontal. Dieses scheint aber aktuell eine andere Grundlage zu haben als die Einverständniserklärung.

Ich arbeite in einer Gruppe, wo ich zwei Jahre lang ein Kind hatte, welches nur wir (meine Kollegen und ich aus der Gruppe) fotografieren durften und jedes Bild worauf das Bild abgebildet war und in Portfolio von einem anderem Kind rein sollte, hat die Mutter sich vorher angeschaut. Dafür ist sie sich dann Zeit genommen und teilweise auch 100 Bilder angeschaut und auch welche aussortiert und gesagt, dass diese nicht in andere Portfolio dürfen. Ins Portfolio ihres Kindes konnten wir es einfach reinmachen. Schließlich gehört es ihrem Kind. Natürlich war es manchmal schade für die anderen Kinder, aber die Rechtslage war so und die Mutter durfte es dann entschieden. Meistens war sie aber sehr kulant und hat dem dann zugestimmt. Wir haben nie ein Bild ohne ihre Zustimmung eingeklebt. Wobei bei ihr die mündliche Zustimmung ausreichte.
Die Portfoliomappen stehen bei uns im Schrank und die Eltern dürfen nur ans Portfolio von ihrem Kind. Möchten sie sich eine andere Mappe anschauen, untersagen wir das. Das gehört ihnen auch nicht, sondern dem jeweiligen Kind. Natürlich kann es sein, dass sich gerade ein Kind sein Portfolio anschaut und sie dann mit reinschauen können. Das ist dann so, aber würde jemand ein Handy nehmen und Fotos davon machen würde ich das sofort untersagen.
Schließlich möchte man selbst auch nicht ohne Einverständnis fotografiert werden.
Wenn wir woanders zu Besuch waren und jemand ein Handy, Fotoapparat, Kamera usw. rausnahm und ein Foto machen wollte, habe ich das sofort untersagt, mit dem Hinweis darauf, dass nicht alle Eltern dem zustimmen würden. Oder, Kind X darf nicht fotografiert werden. Bitte achtet mit darauf, dass sie auf keinem Foto zu sehen ist. Sollte das doch der Fall sein bitte ich darum das Foto unverzüglich zu löschen. Sollte ich mitbekommen, dass das Kind auf einem Bild mit drauf ist und das Foto für irgendwelche Zwecke verwendet wird bzw. auf dem Handy, Kamera, usw. verbleibt muss ich gewisse Maßnahmen einleiten. Die meisten haben dann automatisch ihre Kamera wieder eingesteckt. Ich finde, es geht auch nicht, dass jeder einfach fotografiert. Nur, weil das eigene Kind da mit drauf ist. Die anderen Kinder haben doch auch eine Privatsphäre, ein Recht auf ihr eigenes Bild. Wenn dann machen nur wir Fotos.
Wir durften bsp. nur nach Absprache Fotos von dem Kind in der Kita aufhängen und nur so, dass diese keinesfalls vom Eingang bzw. durch irgendein Fenster aus zu sehen sind.
Man bewegt sich da auf einem wirklich dünnen Eis, aber ich hatte keine Lust auf Ärger, genauso wenig wie meine Kollegen. Heute geht das Kind in den Kindergarten und da wird es genauso gehandhabt wie bei uns. Bei dem älteren Kind macht die Mutter es genau so. Der Vater sieht es genauso wie die Mutter.

constanze
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Registriert: Dienstag 15. August 2017, 16:38

Re: Fotos

Beitrag von constanze » Dienstag 15. August 2017, 16:53

Das ist natürlich ein ziemlich haariger Fall. Mit einem Anwalt ist man da auf der sicheren Seite.

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