Praktikantenanleitung

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andrea

Praktikantenanleitung

Beitrag von andrea » Dienstag 19. April 2005, 18:54

Hallo an alle!

Kennt jemand gute Literatur zu diesem Thema oder kann mir jemand aus seinem Erfahrungsschatz gute Tipps geben?

Hab nämlich seit heute eine (meine erste) Praktikantin!

Liebe Grüße und danke im Voraus für eure Hilfe!

andrea

Tigerente
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Beitrag von Tigerente » Montag 16. Mai 2005, 12:55

Hallo Andrea,

ist zwar schon etwas her, dass Du Deinen Beitrag hier zur Praktikanten Anleitung reingeschrieben hast, aber ich möchte trotzdem noch antworten. Ich bekomme ab september eine Kinderpflegerpraktikantin und stehe momentan auch vor dem problem, wie funktioniert richtiges Anleiten. Ich hatte zwar schon zwei Praktikanten, die von der Hauptschule kamen, aber bei denen ging es ja um nichts. Bei der Kinderpflegerin geht es aber um allerhand und das ist mein Problem. Ich habe mir jetzt von der Zeitschrift Kindergarten-heute dieses Begleitheft "Praktikanten anleiten" bestellt und hoffe daraus ein bisschen was zu erfahren.
solltest Du schon Literatur etc. gefunden haben, wäre ich Dir sehr dankbar, wenn Du mir die auch mals chreiben könntest.

Viele Grüße,
Kerstin
Tue das woran du glaubst und glaube an das, was Du tust!

andrea

Beitrag von andrea » Donnerstag 19. Mai 2005, 19:15

Hallo Tigerente,

bei mir handelt es sich auch um eine Kinderpflegepraktikantin.

Zuerst einmal hab ich lernen müssen, dass diese an ihrer Schule wesentlich niedrigere Standards hat, als ich es von der Erzieherausbildung her gewohnt bin. Die Berichte, die sie abgeben muss, das Reflektieren ist alles nicht zu vergleichen mit den Anforderungen, die an eine werdende Erzieherin gestellt werden.

Trotzdem hab ich überlegt, was ich ihr für ihre berufliche Zukunft mitgeben will, was ich in der Arbeit mit Kindern besonders wichtig finde und was bei ihr noch nicht besonders ausgeprägt war (habe sie im laufenden Jahr übernommen), nämlich die Reflexion (finde ich sehr wichtig, weil man sich nur dadurch in seinem Verhalten verbessern kann, aber sich auch in Andere ((sei es Kollegen, Eltern, Kinder, ...)) besser einfühlen kann und somit sein Verhalten zu diesen besser anpassen kann).

Seitdem führe ich zu Beginn einer jeden Anleitung eine zehnminütige Reflexionsphase mit der Praktikantin durch: Sie reflektiert die zehn Minuten lang zunächst schriftlich, wie es ihr geht, wie der Tag für sie war und vor allem warum, ich gehe in einen anderen Raum und reflektiere ebenfalls den Tag, aber mit besonderen Hinblick auf sie, was sie wohl empfunden haben könnte, ... Anschließend erzählt sie mir, was für Gedanken sie sich gemacht hat, ich notiere mir die besonders wichtigen Gesichtspunkte schriftlich und rede anschließend mit ihr gesondert über diese.
Ich konnte auch schon erste Fortschritte bemerken, da sie sich am Anfang kaum getraut zu äußern, aber inzwischen relativ frei mit mir reflektieren kann, auch über mich und andere Mitarbeiter.

Ansonsten bespreche ich mit ihr in der Anleitung viel Organisatorisches, weil sie jede Woche einen neuen Arbeitsauftrag, wie z. B. Kinderbeobachtung, -beschreibung, Tagesbericht, ... bekommt und sie diesen jede Woche mit mir zusammen besprechen soll.

Zum Abschluss des Anleitungsgespräches erzähle ich ihr immer noch, was sie nächste Woche erwartet (kommt nur einmal die Woche), was für den nächsten Praxistag geplant ist, damit sie sich darauf vorbereiten kann. An dieser Stelle gebe ich ihr auch Raum für noch offene Fragen.

Literatur habe ich keine gefunden, bin aber dann schließlich auch so zu Recht gekommen. Du musst dir halt überlegen, was für dich, für deine Praktikantin wichtig ist und dir Wege überlegen dieses umzusetzen. Erzähl mir aber, wie du letztlich zu Recht kommst, würde mich interessieren :)

Liebe Grüße, ich hoffe, ich war dir eine Hilfe

andrea

Tigerente
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Beitrag von Tigerente » Donnerstag 19. Mai 2005, 20:12

Hallo Andrea,

Was Du wegen den reflexionen angesprochen hast, da gebe ich Dir voll und ganz recht. Auch bei meinen "normalen" Schulpraktikanten habe ich am ende des Praktikums (zumindest) wert darauf gelegt das Praktikum zu reflektieren und deren Meinung über unsere Arbeit,... anzuhören.

Ich habe mich mit meiner ehemaligen Anleitung schon einmal zusammengesetzt und sie hat mir ein paar Tipps zwecks Reflexionen etc. gegeben. Zusätzlich habe ich jetzte schon versucht eine Art "Zwischenfragebogen" über das bisher abgeleistete Praktikum auszuarbeiten. Ich habe festgestellt, dass Praktikanten sich oftmals schriftlich besser ausdrücken können, als wenn sie es von Angesicht zu Angesicht sollen. Zumindest möchte ich meiner Praktikantin die Entscheidungsmöglichkeit bieten entweder schriftlich oder mündlich zu reflektieren.

Was mich noch interessieren würde. Hast Du jede Woche ein Anleitergespräch mit Deiner Praktikantin? Ich stelle mir das ein bisschen schwer vor, jede Woche (meine Praktikantin wird auch 1x die Woche kommen) zu führen, wenn man sowieso immer so wenig Zeit miteinander hat.

Dass an Kinderpflegerschulen andere Standars und Voraussetzungen herrschen, als an fachakademien musste ich auch schon feststellen. durfte gestern eine Ausarbeitung einer Praktikantin aus vergangenen Jahren lesen und die Rechscthreibung, Satzbau, äußere Form,... waren grauenhaft. An meiner Faks hätte es dafür schon 1-2 Noten schlechter gegeben. Na ja, da merkt man eben doch den Unterschied.

Gut, sobald ich erste Erfahrungen mit meiner Praktikantin gesammelt habe, werde ich sie wieder berichten.
Ich wünsche dir viel Spaß mti Deiner Praktikantin.

Viele grüße,
Kerstin
Tue das woran du glaubst und glaube an das, was Du tust!

andrea

Beitrag von andrea » Samstag 11. Juni 2005, 12:05

Hallo Tigerente,

tut mir Leid, dass ich dir so spät erst antworte, bin in letzter Zeit sehr im Stress!

Also wichtig für das wöchentliche Anleitungsgespräch ist, dass ihr halt ne feste Zeit zum Anleiten habt, in der du aber gleichzeitig nicht die Aufsicht über die Kinder hast!

Du brauchst diese Zeit jede Woche, weil die Kinderpflege-Praktikanten ja auch jede Woche Berichte, Ausarbeitungen, usw. schreiben müssen, die du mit ihnen durchgehen sollst!

Seit den Pfingstferien überziehe ich mit meiner Praktikantin jede Woche diese Zeit, weil gegen Ende des Praktikums natürlich am Meisten zu tun ist (Beurteilung, Leistungsnachweis, Reflexion von Angeboten, usw.)! Du brauchst diese Zeit also schon!

Hoffe ich konnte dir helfen!

Grüße

andrea

LePapillon

Beitrag von LePapillon » Freitag 23. März 2007, 12:22

Ich finde man sollte die Praktikanten selbst zu sich kommen lassen. Ich bin ja auch erst ein paar Jahre ausgelernt und mich haben die Anleitungen immer genervt, die meinten nach meinen Aufgaben fragen zu müssen. Wie oft wurde dann in Planungen u.ä. rumgekritzelt und dann wollte die Lehrerin es doch so haben wie ich es gemacht hatte, weil ich es ja so gemacht hatte, wie ich es BEI IHR- der Lehrerin.- gelernt hatte. Zumal sowas einen (mich zumindest) immer zusätzlich gestresst hat. Letztendlich erzählt man denen in der Schule doch eh immer was anderes- drei Lehrer, fünf Meinungen. Da sollte man besser so fair sein und im Reflektionsgespräch hinter denen stehen, anstatt sich mit Kritik aufzuspielen, sonst geht nämlich beim Praktikant ganz schnell die Motivation flöten und wer möchte schon einen unmotivierten Praktikanten? Also Mädels, lasst die mal in Ruhe und helft denen, wenn sie Fragen haben. Und immer dran denken; Die sind da um zu lernen. Selbst das Anerkennungsjahr ist noch Ausbildung und Fehler macht jeder.

Florera
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Beitrag von Florera » Mittwoch 6. Februar 2008, 15:28

Auch wenn das Thema hier schon etwas älter ist, möchte ich dennoch etwas dazu schreiben. Ich denke, dass immer mal wieder jemand hier rein gucken wird.

Ich bin der Meinung, dass es ganz wichtig ist, dass die Anleiter sich vorher Gedanken darüber machen, was sie von ihren Praktikanten erwarten und welche Meinung sie darüber haben, was die Praktikanten in dem Praktikum für Aufgaben machen sollen usw. Und auch zu Beginn des Praktikum direkt den Praktikanten dies zu sagen.

Angel08
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Beitrag von Angel08 » Mittwoch 13. Februar 2008, 15:25

Ich bin ja gerade in der Ausbildung und habe bisher nur 2 meiner Meinung nach sehr gute Anleiterinnen gehabt. Ich finde es ist gerade in der Anfangsphase wichtig, das mit der Praktikanten gesprochen wird und geklärt wird ob sie mit Fragen von sich kommen soll oder ob es besser wäre wenn die Anleiterin hin und wieder fragt. Ich denke gerade letztes Jahr, als noch alles neu für mich war hatte ich noch eine sehr große Hemmschwelle mit Fragen zu meiner Anleitung zu gehen und aus mir rauszukommen. Daher hat sie die Initiative für erste Gespräche ergriffen. Nach einiger Eingewöhnung bin ich dann auch von mir aus zu ihr gekommen. Dieses Jahr habe ich zu Beginn der Ausbildung ein Gespräch mit meiner Anleitung gehabt in dem jeder gesagt hat was er sich vom jeweils anderen wünscht. Was wie ich fand eine gute Lösung war.

Als sich vorallem meine Anleiterin im letzten Jahr ( ich war ihre erste Praktikantin) meine Ausarbeitungen angesehen hat, hatte ich auch immer Aufzeichnungen von der Schule dabei, damit sie sich einen Überblick verschaffen konnte. Sie hat zwar denkanstöße gegeben, aber nie großartig in meiner Arbeit herumverbessert, sondern gesagt wie sie es machen musste und wie ich es in meine Ausarbeitung mit einbringen kann wenn ich will.

Andy
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Re: Praktikantenanleitung

Beitrag von Andy » Mittwoch 16. Juli 2008, 07:52

Hallo Andrea ! :D
Habe dir mal eine Checkliste mit wichtigen Informationen für Praktikantinnen oder Praktikannten zusammengestellt.
Diese Liste habe ich aus der Fachzeitschrift Kindergarten und Hort

Gleich zu Beginn der Praktikantentätigkeit habe ich das Infobuch und den Kalender ausgehändigt

Das Infobuch enthält:

:arrow: Angaben zur Einrichtung wie Größe, Team, Kinderzahl, Alter der Kinder

:arrow: Angaben zu den einzelnen Gruppenformen,- belegungen und der personellen Zuordnung

:arrow: Allgemeine Regeln der Einrichtung ( Wann dürfen Kinder allein wohin ? Wie laufen Raumbelegungen? )

:arrow: Kritterien für den Umgang mit Eltern (Keine Elterngespräche allein, Datenschutz,mögliche Antworten bei direkten
Elternfragen )

:arrow: Eine Übersicht über alle Einrichtungsräume

:arrow: Wichtige Punkte zu bestimmten Verhaltensweisen ( erwarte Freundlichkeit, gepflegtes Erscheinungsbild,erwarte
Pünktlichkeit, Verhalten im Krankheitsfall )

:arrow: Eine Übersicht über ein ganzes Einrichtungsjahr mit allen Festen und Aktivitäten in Stichpunkten

:arrow: Eine schriftliche Zusammenfassung, wie in der zuständigen Gruppe der pädagogische Alltag geplant wird

:arrow: Eine fixe Regelung, wann und mit wem die Praktikantin reflektieren und planen kann

:arrow: Sicherheitsinfos, z. B. Wo sind die Feuerlöscher ? Wo ist der Sicherungskasten ? Wo findet man das Unfallbuch ?

:arrow: Regelungen in Krankeitsfällen, Urlaubs- und Dienstplangestaltung



Der Kalender enthält:

:arrow: Alle Termine der zugeteilten Gruppe

:arrow: Alle übergreifenden Einrichtungstermine

:arrow: Wichtige Termine, die das Team betreffen ( Ausflug, Weihnachtsfeier, Teamfortbildungen )

:arrow: Bereits bekannte Schultermine von der kooperierenden Ausbildungsschule

:arrow: Geburtstage der Mitarbeiterinnen


http://www.pro-kiga.de/recht/arbeitsrec ... n-duerfen/

Liebe Grüße
Andy :wink:
Zuletzt geändert von Andy am Sonntag 14. März 2010, 08:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Praktikantenanleitung

Beitrag von Ronsen » Mittwoch 16. Juli 2008, 20:34

Hallo,

danke Andy, das ist doch mal wirklich interessant und vorbildhaft für andere Einrichtungen.

Lg
Ronsen
"Sage mir, wer dich erzogen hat, und ich sage dir, wer du bist- auch das stimmt nicht immer."Janusz Korczak

Britta1
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Re: Praktikantenanleitung

Beitrag von Britta1 » Montag 28. September 2009, 20:14

Hallo,

habe seit heute meine erste Praktikantin. War natürlich auch entsprechend aufgeregt und nervös.
Aber ich habe hier viele wertvolle Tips gefunden.
Passende Lektüre für die Anleitungen für Praktikanten habe ich demnach auch nicht. Aber bin auch da dankbar für Tips.

sebastian
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Registriert: Samstag 26. Dezember 2009, 22:22

Re: Praktikantenanleitung

Beitrag von sebastian » Samstag 26. Dezember 2009, 22:40

auf der suche nach dem tema anleitergespräch bin ich auf dieses forum gestoßen.

es gibt einen satz den tiegerente in ihrer ersten antwort schreibt der mich dazu gebracht hat mich hir anzumelden um dazu etwas schreiben zu können.

sie schrieb das sie schon zwei praktikanten hatte die von der hauptschule kommen und das es bei denen ja um nix ginge.

es dreht sich da bei mir im magen um. was ist den das für eine sichtweise auf menschen?
ich habe die erfahrung gemacht das hauptschüler zwar nicht die klügsten unserer gesellschaft sind aber teilweise weit aus mehr soziale kompetenz bezitzen als die schüler vom gymmi.
gerade weil sie hauptschüler sind geht es bei denen um was. woher sollen sie denn sonst lernen das sie doch etwas können, wenn nicht im praktischen?

kein wunder das die jugendlichen von der hauptschule immer mehr resignieren, wenn sich schon unter einigen erziehern die sichtweise breit macht das es bei ihnen um nix ginge.

tiegerente! dein eintrag ist nun schon fast vier jahre her - ich hoffe für dich und die menschen die deinen weg kreuzen das du diese sichtweise verändert hast.

seb

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