Erfahrungen mit Supervision

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Herr Uhl
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Erfahrungen mit Supervision

Beitrag von Herr Uhl » Samstag 3. März 2018, 17:05

Hallo,
ich würde gerne mal eure Erfahrungen mit Supervision in den den Kitateams hören.
Wir haben seit drei Jahren ca. vierteljährlich Supervision und ich zweifle immer mehr an dem Sinn derselben.

Es ist schön, dass wir Fallbesprechungen machen, aber es finden keine Fallbesprechungen im Team statt. Die Zeit im Team geht für Terminabsprachen und Diskussionen um die Finanzierung von Geburtstagsgeschenken für Kollegen drauf. Sprich es wurden praktisch niemals Kinder im Team außerhalb der Supervision besprochen.

Dann stört mich der Ablauf der Supervision an sich. Die Kommunikation geht praktisch nur über die Leitung. Themen, Probleme werden nur von der Leitung vorgebracht und auch die Aussagen der Leitung über die Kita werden vom Team kommentarlos hingenommen. Ich bemühe mich zwar meine Meinung mitzuteilen, allerdings tritt dann im Raum betretenes Schweigen ein (bzw. das Schweigen von vorher geht weiter) und Leitung wie auch Supervisorin sind um einen schnellen Themenwechsel bemüht. Manchmal werde ich danach in stillen Momenten von einzelnen Teammitgliedern angesprochen und erfahre so ihre "Solidarität".

Nach manchen Supervisionstreffen schäme ich mich für die Sprachlosigkeit und Unterwürfigkeit dieser eigentlich erwachsenen Teammitglieder.

Vor einiger Zeit gab es einen Konflikt im Team, der von der Supervisorin gelöst wurde. Dies gab jedoch unstimmigkeiten mit der Geschäftsleitung, da diese der Meinung ist, dass Konflikte von Vorgesetzten/ Geschäftsleitung gelöst werden sollten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Für die Konfliktlösung wurde auch die Supervisorin gerügt.

Lösungen zu Problemen, die ich sehr offen angesprochen habe, wurden nicht reflektiert. Ein Prozess ist also kaum gegeben. Bei Fragen verweist die Leitung auf die Dringlichkeit der neuen Themen.

Anfangs habe ich Groll gegen die Supervisorin gehegt. Aber was soll sie machen? Sie handelt eben im Sinne derer, die sie bezahlen.

Was sind eure Erfahrungen? Hilft Supervision? Ist sie das I-Tüpfelchen, oder nur um doch noch etwas von der versäumten Pädagogik nachzuholen?
Hat das Team bei euren Supervisionen eine Stimme? Oder gibt es sich als Beiwerk der Leitung zufrieden?

amaria
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Re: Erfahrungen mit Supervision

Beitrag von amaria » Sonntag 4. März 2018, 08:24

Wie gut, dass du die Sprachlosigkeit und die Unterwürfigkeit angesprochen hast! Ich war als Springkraft meist außen vor und zu Beginn meiner Ausbildung war es noch nicht üblich, dass Supervision oder Mediation stattfand. Ich kann weder über Supervision noch über Mediation aus eigener Erfahrung etwas Erfreuliches sagen und kann zu deinem Thema nur beisteuern, dass nicht wenige Erzieherinnen bei mir darüber geklagt haben, dass sie den Termin mit Bauchschmerzen wahrnehmen, dass sie es schrecklich finden, dass Teammitglieder seit dem Beginn der Supervision offen feindselig zueinander sind und dass sich der positive Effekt wohl hauptsächlich auf dem Konto der Anbieter von Supervision oder Mediation ausmachen lässt.

Ist die Missstimmung im Team größer als zuvor, wird der Leitung unter Umständen noch ein teures "Leitungscoaching" angeboten.

Während meines Anerkennungsjahres habe ich eine letztendlich erfolglose Mediation für die Fachkräfte mehrer Einrichtungen mit der Begründung abgebrochen, dass ich mit den alten Querelen nichts zu tun hatte und nach dem Anerkennungsjahr woanders arbeiten würde. So konnte ich sinnvollerweise den offenen Treff zur gewohnten Zeit stattfinden lassen. Die anderen Teammitglieder des offenen Treffs haben sich später auch der Mediation entzogen, da auch sie nicht in die zur Debatte stehenden Konflikte involviert waren.

Sollte Supervision erstmalig angeboten werden, können Erzieherinnen es sich noch überlegen, ob sie die Fragen nach Klärungsbedarf und Konflikten prophylaktisch verneinen, um nicht Probleme hochkochen zu lassen, die dann am Ende eben nicht geklärt werden.

Über erfolgreiche und empfehlenswerte Supervisionen sollte unbedingt auch berichtet werden. (Von Krankenschwester kenne ich erstaunlicherweise einige positive Rückmeldungen, aber bislang keine einzige von ErzieherInnen.)

Freundliche Grüße

Angelika
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Arthur Schopenhauer

Herr Uhl
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Re: Erfahrungen mit Supervision

Beitrag von Herr Uhl » Sonntag 4. März 2018, 10:40

Danke für die interessanten Impulse.

Man könnte die Fallbesprechungen in der Supervision tatsächlich als Ressourcen- und Lösungsorientiert sehen. Durch den Effekt aufs Team, das hier die seltene Chance bekommt etwas gemeinsam zu erarbeiten. Und ja, das Gefühl nach so einer Fallbesprechung ist wirklich gut und die Ergebnisse zielführend.

Vielleicht ein geschickter (diplomatischer) Schachzug der Supervisorin?

Ich möchte auch gar nicht, dass dabei tiefgehende Konflikte schonungslos offengelegt werden und dem Team damit eventuell sogar jegliche Funktionalität abhanden kommt.

Aber Absprachen über kleine Handlungen, die das System im positiven beeinflussen könnten (z.B. Mitarbeiten Verantwortung zuzutrauen) fehlen komplett.

Auch mehr Übertrag auf den Alltag wäre schön. Aber das kann ich nochmal ansprechen, ohne zu offensichtlich jemandem ans Bein zu pinkeln.

Die Supervision muss unbedingt bleiben, allerdings erhoffe ich mir durch weitere Berichte hier auch Ideen, wie ich mich einbringen kann.

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