Personalmangel!

amaria
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Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Hallo!

Als ich die Schlagzeile "Droht uns ein Personalnotstand" gelesen habe, habe ich gedacht "Nein, wir haben ihn doch schon!"

http://www.bosch-stiftung.de/content/la ... _Druck.pdf

Was fällt euch zum Thema ein? Arbeitet ihr immer oder zeitweise mit weniger Erzieherinnen in den Gruppen als es vorgesehen ist.?

Zu dem Thema werden in den nächsten Monaten bestimmt noch mehr Beiträge im Netz zu finden sein. Es wäre schön, wenn alle, denen im Internet oder in der lokalen Presse ein Beitrag auffällt, hier darauf hinweisen würden.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Judith
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Re: Personalmangel!

Beitrag von Judith »

Ich arbeite oft alleine, weil einer meiner beiden Kolleginnen krank ist.

Personalmangel - den haben wir schon, definitiv!!!
Ich wünsche mir eine Kollegin, die zuverlässig da ist, aber woher bekommt man so etwas? Es ist nun mal so, dass niemand Einfluss auf den Körper eines Menschen hat und somit auf die Gesundheit. Und wenn es dann noch Mütter sind (oder aber Väter), dann auch nicht auf dessen Kind. Und natürlich muss die Person (meist die Mutter) zu Hause bleiben wenn das Kind krank ist. Da habe ich nichts gegen und finde es selbstverständlich.

Ich bin der Meinung - um den Personalmangel vorzubeugen - sollte in jeder Einrichtung eine Fachkraft als sogenannte "Springerkraft" tätig sein. Idealerweise in Vollzeit. Diese Person sollte da sein, wo jemand gerade fehlt, sei es durch Krankheit oder aber auch Urlaub oder Fortbildung. Und wenn wirklich alle da sind dann hilft diese Person in einer Gruppe mit. Was ist daran schlimm, wenn dann anstatt 2 mal 3 Fachkräfte in der Gruppe sind? Nichts, wie ich finde.
Nur so, denke ich, kann man dem Personalmangel vorbeugen. Die Person kennt den Tagesablauf, die Kinder, die Kinder kennen sie, das sind nur ein paar Vorteile. Ein Nachteil kann sein, dass diese Person keine festen Bezugskinder hat, keine feste Gruppe hat. Aber es gibt sicherlich Personen, die genau diese Tätigkeit suchen, nämlich die intensive Arbeit am Kind, keine Beobachtungen schreiben, keine Elterngespräche führen, usw..

Warum keiner als Vertretungskraft auf 400€-Basis arbeiten will kann ich schon verstehen oder gar auf Abruf. Dafür muss man zu flexibel sein und wer ist das schon. Denn irgendwo muss auch Geld herkommen. Und das geht nun mal nur bei einer sicheren Stelle und das ist nicht "Vertretungskraft auf Abruf". Aber wenn es so eine Kraft, fest eingestellt gäbe für eine feste Stundenzahl, so wäre es sicherlich leichter eine Fehlzeit einer Kollegin zu überstehen ohne viel alleine zu sein.

Diesen, meinen, Vorschlag sollte die Stadt mal überdenken, umsetzen und finanzieren.

amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Hallo!

Danke für den ausführlichen Beitrag, Judith! Nachdem ich selbst sehr gern als Springkraft gearbeitet habe, kann ich nur bestätigen, dass es entlastend für die Kolleginnen und bereichernd für die Kinder ist, wenn bei Personalmangel eine Springerin in die Gruppe kommt. - Aber obwohl Erzieherinnen ohnehin schon schlecht bezahlt sind und die Springkräfte meist noch schlechter bezahlt werden, sparen die Arbeitgeber hier gern viel Geld ein. Wenn eine Kollegin Krankengeld bekommt und deren Stelle wochen- oder gar monatelang nicht besetzt wird, ist das schon lohnend. Und leider gab es in unserem Beruf meines Wissens noch keine Bestrebungen, dass zum Beispiel Kinderpflegerinnen, die auch oft monatelang allein in der Gruppe gearbeitet haben dafür nach dem Erziehertarif bezahlt worden wären.

Für Eltern dürfte es keine angenehme Vorstellung sein, dass in Krippen oftmals jede sich bewerbende Erzieherin genommen werden muss, weil es kaum noch Auswahl gibt. Wenn ich mir vor Augen halte, wie unterschiedlich viele Bewerbungen es für Stellen in Kindergärten gab und wie es derzeit ausschaut... Früher kamen manchmal über 200 Bewerbungen auf eine Halbtagsstelle. Heute oft weniger als fünf auf eine Vollzeitstelle! Auch für die Teamarbeit ist es schade, dass so wenig Auswahl an Bewerberinnen dazu zwingt, sich auch mit Kolleginnen zu arrangieren, die sich dem Konzept der einrichtung vielleichtgar nicht so verbunden fühlen und eine stelle nur angenommen haben, weil sie verkehrsgünstig zu der Schule oder dem Kindergarten ihrer Kinder liegt.

Was mir beim Lesen in verschiedenen Foren auch oft aufgefallen ist: Es gibt wohl noch viele Erzieherinnen (ich zähle mich dazu), die nicht in einer Krippe arbeiten möchten. Ob das nun selektive Wahrnehmung ist oder nicht? - Jedenfalls behagt mir ein System nicht, das dazu führt, dass die frühe Langzeitbetreuung der Kleinsten für die Einrichtung finanziell vorteilhafter ist als die Betreuung älterer Kinder. Nicht umsonst mussten viele eingruppige Elterninitiativen sich derart umorganieren, dass sie unter Dreijährige verstärkt betreuen. Schade! (Ich habe immer gern in den kleinen Elterninitiativkindergärten gearbeitet und finde es schade für die älteren Kindergartenkinder, dass sie vermehrt in größeren Einrichtungen betreut werden müssen.)

Noch einige Links zum Thema:
http://www.derwesten.de/staedte/dortmun ... 98337.html
http://www.taz.de/!75436/
http://bildungsklick.de/blog/81863/kita ... -personal/

Freundliche Grüße

amaria
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Johanna2

Re: Personalmangel!

Beitrag von Johanna2 »

Hallo!

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... d97de.html

Diesen lesenswerten Link habe ich gerade in einem andern Forum entdeckt.

Jetzt soll der Himmel helfen!

:unschuldig:

Freundliche Grüße

Johanna

amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Hallo!

Eine Kopie des Zeitungsartikels könnten Erzieherinnen, die in Kitas mit erheblichem Personalmangel arbeiten eigentlich aus pragmatischen Gründen unübersehbar auf die Eingangstür kleben. Wenn eltern dann auf die Idee kommen, sich zu beschweren, nützt es vielleicht doch etwas.

amaria
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amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Hallo!

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... onalmangel

Das Video beinhaltet gleich zu Beginn die Stellungnahme einer Mutter, die bekundet, dass sie auch einen Betreuungspaltz für ihr Kind annehmen würde, wenn die Einrichtung kein Außengelände oder keine Turnhalle hätte. Die Schilderung der Erzieherin, die im teuren München nach der Arbeit noch einen 400-Euro-Job als Putzhilfe angenommen hat, zeigt deutlich, auf wessen Kosten der forcierte Kita-Ausbau geht: Auf Kosten von Kindern und Erzieherinnen.

Freundliche Grüße

amaria
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amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

http://www.youtube.com/watch?v=IWPohZSrmkI

Und die viele Werbung von allen Seiten nützt vielleicht gar nichts. Kann sich jemand vorstellen, dass die Schaffung von immer mehr Kitaplätzen daran scheitern wird, weil es einfach zu wenige Erzieherinnen und Erzieher gibt?

amaria
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Frips Fuchs
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Re: Personalmangel!

Beitrag von Frips Fuchs »

moin,
dann werden neue "Berufe" erfunden, die noch weniger Geld kosten ...
Shalom
Frips

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

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Kees_Kopf
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Re: Personalmangel!

Beitrag von Kees_Kopf »

Personalmangel herrscht, das ist keine Frage, über die Ursachen aber muss noch einmal weiter gedacht werden.

Aus meiner Sicht liegt ein Teil des Problems nämlich bei dem Personal in den Kindergarten selbst. Sie sind schlecht organisiert und haben in viele Fälle ein helfersyndrom und sind nicht bereit wirklich konsequent für ihre eigene Sache (und damit die der Kinder) einzutreten.

Natürlich, wenn Deutschlandweit ALLE Erzieherinnen eine Woche streiken würden und es nirgendwo ein offener Kindergarten geben würde, würden die Eltern massiv protestieren. "Die arme Kinder..." wird dann argumentiert, aber dann würde sich vielleicht mal etwas bewegen. Merken die Arbeitgeber, dass am Ende das Personal der mächtigere im Konfilkt ist, werden sie nämlich starken Einfluss zu nehmen versuchen auf den Gesetzgeber die Regeln zu ändern. Denn nur wenn die Regeln sich ändern, können sie ihre Kosten wieder decken.

Sich also zu beklagen über Personalmangel ist eins, aktiv was dagegen tun geht aus meiner Sicht NUR, wenn das Personal aufhört sich zu verstecken und sich organisiert. Davon gibt es in der Geschichte der Arbeitnehmer viele Beispiele, wir brauchen nur nach den Anfangen der industrielle Revolution zu schauen, wp Arbeitnehmer wie Vieh gehandel wurden und keine Rechte hatten. Erst als die Arbeiter sich zusammenschlossen und gemeinsam zeigten, wer eigentlich die Macht hatte waren Arbeitgeber und Gesetzgeber (unter Druck der Arbeitgeber) bereit einzulenken. Betrachtet aus der Entwicklung der Arbeit und die der Institution "Kindergarten" wäre es an der Zeit diese "Elementarbereichsrevolution" zu starten.

Kees
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amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fue ... -1.1504355

Um später mehr Personal einstellen zu können, soll eigens eine Fachakademie für Erzieherinnen gegründet werden. Im Artikel ist auch die Rede davon, dass man Kräfte aus Osteuropa akquirieren wolle.
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell ... inder.html

Die Erzieher müssen einspringen, wenn Lehrer fehlen, aber der Pool für Vertretungslehrer darf nicht in Anspruch genommen werden, wenn Erzieher fehlen.
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Kees_Kopf
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Re: Personalmangel!

Beitrag von Kees_Kopf »

Sei froh dass das so ist, denn lehrer haben so gt wie keine ahnung von pädagogik und kleine kinder sind unbekannte wesen...

KEes
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amaria
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Nicht dass ich ein bombastisches Loblied auf Lehrer anstimmen wollte, aber als ich an einer Grundschule an einer Honorarkraft gearbeitet habe, hätte ich gern mit meiner Freundin, die dort als Lehrerin tätig war, zusammen gearbeitet. Es gibt nämlich auch Erzieherinnen, die von Pädagogik wenig oder keine Ahnung haben.
Gerade durch meine Schullesungen habe ich sehr nette Grund- und Sonderschullehrer/innen kennen gelernt.
(Unterbezahlte Idealisten, die auch einen guten Blick für die Fehlentwicklungen auf dem Gebiet der Kindergartenpädagogik haben.)

Wenn heute zum Beispiel an Grundschulen Kräfte erheblich unter Tarif bezahlt werden, dann kommt es zu häufigem Personalwechsel, weil etliche Erzieherinnen von ihren Freundinnen oder ehemaligen Arbeitgebern abgeworben werden. Im Gegenzug aber bleiben deshalb anscheinend gerade wenig für ihren Beruf geeignete Erzieherinnen, die früher Schwierigkeiten gehabt hätten, eine Anstellung zu finden.
Im Bereich der OGS habe ich mittlerweile in verschiedenen Städten schon junge Frauen eifrig qualmend am Fußballplatz Aufsicht führen sehen! (Rauchen während der Arbeit ist offiziell verboten!) Ja, und wenn man mich nicht angelogen hat, waren es Erzieherinnen! Sie vertraten den Standpunkt, dass die Eltern auch rauchen und keinen Anstoß an ihrem Verhalten nehmen würden. Damit dürften sie die Wahrheit gesagt haben. In der Abholphase trafen sich rauchende Eltern am "Sporri".

Der Personalmangel dürfte quer durch die Republik keinen guten Einfluss auf die Qualität der Arbeit haben. Erzieherinnen können sich mehr Freiheiten heraus nehmen als früher, weil Träger und Eltern ihren Kindern nicht noch mehr Personalwechsel zumuten wollen. - Im übrigen muss damit gerechnet werden, dass freie Stellen auf lange Sicht nicht besetzt werden können.

amaria
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Kees_Kopf
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Re: Personalmangel!

Beitrag von Kees_Kopf »

Das es unter den Lehrern auch Pädagogen gibt ist unstrittig, Davon auszugehen, dass Lehrer aufgrund ihrer Ausbildung automatisch Pädagogen sind, ist aber utopisches Denken.

Kees
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Re: Personalmangel!

Beitrag von amaria »

Mit der Bezeichnung "Geisteswissenschaftler" verhält es sich wohl ähnlich...
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