Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

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beaaa
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Registriert: Donnerstag 29. August 2019, 18:52

Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von beaaa »

Hallo Zusammen,

zur Zeit habe ich ein aktuelles Problem und bitte um Eure Impulse dazu:

In altersgemischter Gruppe (15 KInder 1 - 6, davon 1 mit geistiger Behinderung, 2 HP) sind zwei verhaltensauffällige Jungs (HP, aktuell ohne Begleitung), 4 und 5 Jahre alt. Beide agieren massiv aggressiv (Schlagen, spucken, zerstören). Beide haben einen "Schreckensruf" in der Restgruppe.

Der wesentliche Unterschied zwischen Beiden:

Kind A beobachtet das Gruppengeschehen, geht dann gezielt los und agiert anti-sozial. Sei es, dass er einem Kind weh tut, eine Spielsituation zerstört und - das besonders - Gruppenregel um Gruppenregel bricht. Natürlich wird er darauf angesprochen etc., und sobald eine Konsequenz für ihn folgt, schreit er und wird massiv aggressiv, auch den Erzieherinnen gegenüber. Alternativ lacht er so laut, dass er die gesagten Worte nicht hören kann. Nach (scheinbarer) Beendigung des Konfliktes geht es kurz darauf wieder los. Das bindet sehr viel Kraft und Zeit. Seine Verhaltensauffälligkeiten sind seit 3 Jahren bekannt und nehmen zu.

Kind B agiert aus dem (zumindest von außen erkennbaren) Nichts heraus, schlägt plötzlich zu, spuckt oder um sich, zerstört, was grad da ist oder läuft mitten in das Spiel der anderen und zerstört, springt auf andere Kinder und verletzt körperlich. Wenn irgendetwas nicht so läuft, wie er möchte oder ein Nein ausgesprochen wird, schreit er das Haus zusammen (das ist fast wörtlich zu nehmen) und zerstört oder (zer)schlägt alles, was irgendwie in seine Nähe kommt. Dabei macht er auch vor Kleinstkindern nicht halt. Sein Schreien bei einem "Nein" kann auch 1 Stunde oder länger anhalten und findet mehrmals am Tag statt.

Bei beiden Kindern sind schwierige Verhältnisse zu Hause bekannt. Kind A war zuerst in der Gruppe, Kind B ist jetzt neu dabei, dazu 5 Kleinstkinder neu. Beide Jungs bräuchten eigentlich HP-Betreuung und Einzelbegleitung. Aktuell muss eine Erzieherin Einzelbegleitung bei einem der Jungs machen und die andere versucht, sich um die Gruppe zu kümmern.

Natürlich haben wir bereits vieles versucht, was die Aufmerksamkeit/Energie der Beiden in konstuktivere RIchtungen bringen könnte. Es greift nichts. In Elterngesprächen wird deutlich, dass keinerlei Interesse an Reflektion und Zusammenarbeit vorhanden ist. Leitung hält sich raus.

Warum ich das alles schreibe - ich stehe aktuell vor dem Problem, dass ich beiden Kindern nicht neutral oder innerlich wirklich wohlwollend begegnen kann. Ihr Verhalten macht mich wütend, dazu täglich das sehr laute (oft anhaltende) Schreien etc, dass ich durchgängig mit einem hohem Adrenalinpegel in der Gruppe bin. Und das macht krank. In der Pausenzeit bleibt eine Kollegin alleine mit den Kindern (4 schlafen in der Zeit). Mit den beiden Jungs ist es eine tickende Zeitbombe, es dauert nur wenige Minuten, bis die Ruhezeit, z.B. kleine Leserunde o.ä. gesprengt wird. Das stresst mich sehr, weil die gesammte Gruppe nie zur Ruhe kommen kann. Inklusive mir selber. Ich nutze bereits Atemtechniken, Spaziergänge, progressive Muskelentspannung zur Entstressung, wir wechseln uns ab im Austausch mit den beiden Jungs etc.

Frage 1: Ideen für den Umgang mit meiner eigenen Wut auf das Verhalten des jeweiligen Jungen?
Frage 2: Ideen für den Umgang innerhalb der Konfliktsiuationen?

Ich bitte um konstruktive Hinweise und freue mich sehr über Tipps von jenen unter Euch, die Ähnliches erlebt haben und gute Wege fanden.

Von Hinweisen wie "das Kind ist so, weil es selber so schwere Dinge erlebt hat etc. und ich soll mehr Verständnis haben bitte ich abzusehen, steht nicht in Frage.

Sorry für so langen Text, wusste nicht, wie es kürzer geht.

Viele Grüße
Beaaa

amaria
Stammgast
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Re: Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von amaria »

Hallo Beaaa,

ich finde es schade, dass noch niemand geantwortet hat. Gerade wenn man die Gruppe und die einzelnen Kinder nicht kennt, kann man nicht leicht etwas sagen. Ich denke, dass du Gründe gebug hast, um eine Überlastungs oder Gefährdungsanzeige zu stellen. Bei den Gewerkschaften kannst du dich beraten lassen.

Alles Gute!
Und hoffentlich antworten noch andere!

Angelika
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Begleiterin
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Re: Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von Begleiterin »

Hallo Beaaa,

ich bin noch in der Ausbildung und habe bisher nur 15 Monate Praxiserfahrung, von daher weiß ich nicht, ob ich wirklich helfen kann.

Ich hatte in zwei unterschiedlichen Einrichtungen jeweils einen Jungen, der jeweils sehr stark gestört hat. Dadurch, dass beide bei dir gleichzeitig auflaufen, ist es natürlich besonders schwer, weil sich die beiden gegenseitig auch evtl. beeinflussen.

Ich weiß nicht, wie eure Teamkultur ist, aber ich habe es so kennengelernt, dass - wenn Fachkräfte der Leitung rückmelden - dass sie ein Problem haben, dass gemeinsam überlegt wird, wie das gelöst werden kann.
Ich habe allerdings auch erlebt, dass Kolleginnen untereinander sehr viel leiden, dann in der entscheidenden Sitzung das ganze als nicht so dramatisch beschreiben. Es herrscht dann die Hoffnung, dass die Leitung schon versteht, worauf man hinauswill.

Ich denke, dass man ganz klar kommunizieren sollte, was man braucht. Es kann ja keiner in die Gruppensituation exakt von außen hereinsehen. Als Leitung kann man nur dann wirklich helfen, wenn man genau weiß, was Sache ist. Ob die Leitung dann wirklich im eigenen Sinne entscheidet, kann man nicht sicher sein, aber wenn man ihr die Chance verwehrt, indem man Sachen nicht klar ausspricht oder fordert, ist das ja von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Falls die Situation untragbar ist und ihr keine Hilfe bekommt, halte ich im Sinne der ganzen anderen Kinder und im Sinne deiner beruflichen Zukunft absolut für wichtig, einen weiteren Schritt zu gehen. Ob das eine Belastungsanzeige ist, weiß ich nicht, da ich damit bislang nicht zu tun hatte. Gibt es die Möglichkeit, in eine Supervision zu gehen? Manche Träger bieten sowas an. Oder eine spezielle Fachberatung in Anspruch zu nehmen? Könnte man die Kinder evtl. trennen oder zumindest vorübergehend trennen, bis die Situation sich etwas verbessert hat?

Du sprichst in deinem Post nur von der Möglichkeit, mit deinen Aggressionen besser umzugehen, aber wenn du nicht aus der Situation herauskannst und keine Hilfe bekommst, kann ich mir schwer vorstellen, dass das mit "psychologischen" Tricks oder Anti-Aggressions-Tipps aus einem Forum zu stemmen ist.

So ganz persönlich finde ich es bewundernswert, dass du dich selbst verändern willst und nicht auf der Opferrolle herumreitest, weil ich das leider auch schon anders erlebt habe. Für mich als Berufsanfänger klingt es allerdings trotzdem so, als ob deine Situation mit 5 neuen Kindern und 2 Problemfällen zu zweit wirklich nicht lösbar ist, ohne jeden Tag große persönliche Risiken einzugehen.

Liebe Grüße,
Begleiterin

Basti85
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Re: Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von Basti85 »

Ist ja auch immer die Frage wer stört oder was stört wen, dass ein Kind stört ist schon Mal ein KO Argument, da muss man schon besser hinsehen.

ludigerLudw
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Registriert: Donnerstag 15. November 2018, 12:16

Re: Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von ludigerLudw »

Also Aggression kann sich schon sehr leicht aufbauen.

Die Herausforderung dabei ist einfach, dass man versuchen muss, sie auch wieder abzubauen, bevor sie sich von selbst entlädt und somit zum Problem wird. Es gibt da einige Methoden und jede hat auch ihre Daseinsberechtigung. Aber meiner Meinung nach hilft Sport immer noch am Besten.

Das gibt einem einfach ein Ventil, all seine Kraft in etwas Sinnvolles und vor allem Zielgerichtetes zu stecken. Eines meiner lieblings Trainings ist das Übungen mit Sandbags.
Die Teile reißen zwar recht oft, aber seit neuestem habe ich die Sandbags von Aerobis und die halten so einiges aus. Da hab ich keine Angst vor dem Reißen!

mamalaurita
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Registriert: Mittwoch 29. Juli 2020, 12:37

Re: Bitte um Tipps zum Umgang mit eigener Aggression?

Beitrag von mamalaurita »

Ich finde auch, dass man bei Aggressionen den Grund erkunden muss und je nach Situation, sich mit den Grund der Aggression befassen muss und versuchendie Aggressionen in einem anderen Weg auszuleben (möglichkeit Sport, hilft mir bei Stress und Problemen immer weiter). Außerdem würde ich mit den Eltern und vielleicht auch Spezialisten sprechen, die dir weiterhelfen und hilfreiche Tipps geben können.

LG

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